„Der Krieg ist näher als wir denken“

Autor | 28. Februar 2018

Immerhin fast 30 Menschen demonstrierten auf Einladung der Linksjugend am Montag im Konstanzer Industriegebiet gegen das Geschäft mit dem Tod. Mit bunten Transparenten harrten sie bei deutlichen Minusgraden vor dem Werkstor von ATM ComputerSysteme, einem Tochterunternehmen der Rüstungsfirma Krauss-Maffei Wegmann, aus. Die Krisengebiete der Welt, so ihre Mahnung, sind nämlich weitaus enger mit der Bodenseeregion verknüpft als häufig geglaubt.

Besonders stark sind die Verbindungen im Moment zwischen Konstanz und dem Nahen Osten. „Hier leben Menschen unter uns, deren Freunde und Verwandte grade in Nordsyrien durch deutsche Waffen sterben“, erinnerte Daniel Schröder, Kreissprecher der Konstanzer Linken, an die hiesige kurdische Gemeinde. Denn derzeit sind Leopard 2-Panzer im Rahmen des völkerrechtswidrigen Angriffs der türkischen Armee gegen die kurdische Region Afrin im Einsatz. Gesteuert werden sie von ATM-Computern aus Konstanz.

Eine Verantwortung sehen die VeranstalterInnen aber nicht nur bei den Rüstungsunternehmen selbst, sondern auch bei der Bundesregierung. Die grundgesetzlich verankerte Entscheidungshoheit des Staates über die Herstellung von Kriegswaffen sei nämlich nicht bloß ein Kontrollrecht, sondern gleichzeitig eine Verantwortung. Am Bewusstsein dafür bei alter und voraussichtlich auch neuer Regierung bestanden für die Demonstrierenden jedoch erhebliche Zweifel.

„Die Freilassung Deniz Yücels war garantiert keine plötzliche moralische Eingebung Erdogans“, befand Schröder und spielte damit auf im Raum stehende Waffendeals zwischen der Bundesrepublik und der Türkei an. Letztere bekundete erst kürzlich wieder ihr Interesse an einer stärkeren Rüstungskooperation.

Für eine friedlichere Welt, so das einhellige Fazit, benötige es jedoch ein konsequentes Eintreten und Mahnen – insbesondere in der idyllischen Bodenseeregion. Weitere Aktionen sind in Planung.

dsc

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