Ein letzter Zuschuss fürs Zeltfestival?

Autor | 29. November 2016

Wieder einmal ums Zeltfestival ging es in der letzten Gemeinderatssitzung, als die SPD die Auszahlung des geplanten städtischen Zuschusses über 10 000 € an den Veranstalter KoKo wegen ungenügender Abrechnungen zu blockieren versuchte. Deutlich wurde im Gemeinderat bei dieser Gelegenheit, dass es höchste Zeit für eine Debatte über die Zukunft der Konstanzer Großveranstaltungen ist.

Hinter dem Tagesordnungspunkt „Zeltfestival 2016“ schien sich nur eine Formalie zu verbergen: „Der Gemeinderat nimmt die Abrechnung des Zeltfestivals 2016 zur Kenntnis und stimmt der Aufhebung des Sperrvermerkes über 10.000 € zu.“ Dieses Geld zahlt die Stadt nämlich nur dann aus, wenn die Festivalmacher durch eine detaillierte Abrechnung belegen, dass ihre Veranstaltung Verluste eingefahren hat.

Es kam ein wenig überraschend, als Jan Welsch für seine SPD-Fraktion forderte, diesen Sperrvermerk nicht aufzuheben und damit die 10 000 € nicht freizugeben, ehe die Festivalveranstalter auch noch die Abrechnung des Caterings vorgelegt haben, die allein noch aussteht, während sonstige Rechnungsbelege bereits bergeweise von der Verwaltung geprüft wurden. Bürgermeister Andreas Osner sprach sich für die Auszahlung des Geldes aus, weil alle sonstigen Unterlagen auf einen herben Verlust hinweisen, der auch durch ein noch so profitables Catering nie und immer ausgeglichen werden könne. Sechs SPDler stimmten gegen die Auszahlung, 29 Gemeinderätinnen und -räte aber dafür.

Wie weiter mit dem Festival?

Nach dem Eigentümerwechsel beim Veranstalters KoKo zeichnet sich deutlich ab, dass der neue Besitzer das traditionsreiche Zeltfestival nicht fortführen will, und auch der bisherige Eigentümer plant nicht, hier quasi als Privatveranstalter wieder tätig zu werden. Die Stadt bedauerte diese Entscheidung ausdrücklich. Laut Osner sind die bereits bewilligten Zahlungen für die Festivaljahre 2017 und 2018 an das Unternehmen KoKo gebunden, die Stadt spreche aber natürlich mit etwaigen InteressentInnen und werde gegebenenfalls eine Lösung suchen.

Manfred Hölzl (CDU), als Konzilwirt selbst ein Mann vom Veranstaltungsfach, nannte das bisherige Zeltfestival „zu kurz und zu teuer“. Er forderte, erst einmal über die Zukunft des Festivals nachzudenken, und führte als erfolgreiche Modelle des Kulturufer in Friedrichshafen und das Tollwood-Festival in München an. Nach Osners Worten soll der Gemeinderat im nächsten Frühjahr eine Neuausrichtung der gesamten Konstanzer Festivallandschaft besprechen, zu der zum Beispiel auch Seenachtfest und Weihnachtsmarkt gehören. Man müsse sich irgendwann auch entscheiden, ob man solche Großveranstaltungen dem freien Markt überlassen oder mit städtischen Zuschüssen unterstützen wolle.

O. Pugliese

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.