Eröffnung des Konziljubiläums: Linke Liste protestiert gegen sündteures Spektakel

Autor | 28. April 2014

seemoz-Konzil1 004Die Eröffnung der auf fünf Jahre angelegten Jubelfeierlichkeiten zum 600sten Jahrestag des Konzils zu Konstanz fiel aus, wie zu erwarten war. Das lokale Establishment feierte sich, verstärkt um einige landespolitische und klerikale Prominenz, selbst und blieb dabei, wie ebenfalls absehbar war, weitgehend unter sich. Und daran war vermutlich nicht nur die regnerische Witterung schuld – zu bieder, zu einfallslos präsentierten die Organisatoren das von städtischen Honoratioren schon mal zum „Weltereignis“ hochgeredete Event schon im Vorfeld. Entsprechend unterschied sich die sonntägliche Festivität von ähnlich gelagerten Zusammenkünften örtlicher Stützen der bürgerlichen Gesellschaft hauptsächlich dadurch, dass diesmal Eintritt für die Teilnahme an einem Münstergottesdienst erhoben wurde.

Für einen der wenigen wirklichen Farbtupfer vor den Toren zum Münster, sieht man von den bei solchen Gelegenheiten üblichen Trachtenträgern, Fahnenschwenkern und Ornatgewandeten ab, sorgten lediglich einige Mitglieder der Linken Liste, die zum Teil im Mönchsgewand mit Plakaten und einem Flyer auf die exorbitant hohen Kosten des Spektakels hinwiesen. Mindestens 12 Millionen Euro sollen die auf fast fünf Jahre angelegten Festivitäten die SteuerzahlerInnen kosten. Viel zu teuer, gerade angesichts der in der Konzilstadt herrschenden Wohnungsnot: „Wohnungen statt Weihrauch“ verlangten am Sonntag die AktivistInnen deshalb unter anderem.

Die Linke Liste hatte von Anfang an im Konstanzer Gemeinderat gefordert, den städtischen Anteil auf 2 Millionen zu deckeln und das Ereignis zeitlich zu beschränken. Die bürgerliche Mehrheit sah das anders und bügelte außerdem den LLK-Vorschlag ab, die BürgerInnen über die Finanzierung entscheiden zu lassen. Und auch die Forderung, die Kirche möge sich angemessen an dem religiös motivierten Spektakel beteiligen, stieß auf taube Ohren. Dabei teilt eine Mehrheit der KonstanzerInnen die Kritikpunkte der Linken Liste: Eine aktuelle Befragung hat ergeben, dass rund 50 Prozent der BürgerInnen die Kosten für das Konziljubiläum für zu hoch halten und ähnlich viele seine Dauer kritisieren. Doch das scheint weder die Verwaltung noch die Gemeinderatsmehrheit zu interessieren.

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Ein Kommentar zu “Eröffnung des Konziljubiläums: Linke Liste protestiert gegen sündteures Spektakel

  1. holger reile

    während der südkurier die aktion totgeschwiegen hat und sich eher als pr-betrieb für die millionenschweren festivitäten versteht, hat der humanistische pressedienst – http://www.hpd.de – den seemozbericht über die demo der linken liste übernommen. morgen wird wahrscheinlich die stuttgarter internetpublikation kontext nachziehen

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