Hysterische Eventkultur nicht weiter fördern

Autor | 26. November 2018

Thema bei der letzten Sitzung des Konstanzer Gemeinderates waren auch kommerzielle Großveranstaltungen, deren Boom in den vergangenen Jahren nicht nur Freude bei der Einwohnerschaft auslöst. Die Absicht der Verwaltung, durch ein Veranstaltungskonzept klare Rahmenbedingungen zu schaffen und Wildwuchs in diesem Bereich einen Riegel vorzuschieben, findet die Linke Liste deshalb begrüßenswert. Was die Stadtspitze dem Rat aber zur Entscheidung vorlegte, fand unser Stadtrat Holger Reile nicht eben überzeugend, wie seinem Redebeitrag zu entnehmen ist.

Angesichts der späten Stunde meinerseits nur einige kurze Anmerkungen zur Vorlage. Nach Durchsicht derselben sind wir von ihr nur sehr mäßig überzeugt.

Denn weiterhin will man an einigen Großveranstaltungen festhalten, die seit Jahren ziemlich direkt an den Bedürfnissen eines großen Teils unserer Bevölkerung vorbeigehen. Ich meine damit konkret das Seenachtsfest, das durch überregionalen Zulauf mit all seinen negativen Auswirkungen zu einer echten Belastung in fast jeder Beziehung geworden ist. Wir von der Linken Liste haben schon mal angeregt, diese Festivität deutlich herunterzufahren und ihr einen lokalen Charakter zu verleihen. Dieser Vorschlag sei hiermit erneuert. Prinzipiell sollten wir darauf verzichten, eine hysterische Eventkultur weiterhin zu fördern, denn sie ist in der Regel alles andere als nachhaltig und oft ist weniger meistens mehr.

Damit ist auch der bajuwarische Seuchenimport Oktoberfest gemeint. Alleine die Bemerkung, dabei handle es sich um eines der größten Volksfeste auf unserer Scholle und deswegen sei es nicht hinterfragbar, greift unserer Meinung nach nicht. Zumindest sollte dem Veranstalter ein zeitlicher Rahmen gesetzt werden, denn bislang konnte er selbst bestimmen, wielange auf Klein Venedig die schlecht eingeschenkten Maßkrüge gestemmt werden. Außerdem würde uns interessieren, was eigentlich die Stadt konkret davon hat. Am Dirndl- und Lederhosenverkauf ist sie ja wohl nicht beteiligt. Auch hier sollte unser zukünftiges Augenmerk verstärkt auf Qualität und weniger auf Quantität gerichtet sein.

Auch das Weinfest wird wohl in etwa so weitergeführt – allerdings darf sich nicht wiederholen, dass Bürgerinnen und Bürger Eintritt bezahlen müssen, wenn ihnen lediglich der Sinn danach steht, über den Stefansplatz zu laufen. Das hat berechtigterweise für viel Unmut und Ärger in der Bürgerschaft gesorgt. Kritisch zu hinterfragen wäre auch der Weihnachtsmarkt, dessen ständige räumliche und auch zeitliche Ausdehnung mittlerweile die Grenzen der Belastbarkeit erreicht hat.

Eher mit Sympathie betrachten wir die Möglichkeit, neben den offensichtlich unvermeidbaren Großveranstaltungen sogenannte Wildcards zu vergeben. Da besteht unserer Auffassung nach die Möglichkeit, sinnvolle Angebote zu machen. Wie wäre es beispielsweise, wenn wir an einem Wochenende in der Innenstadt unseren ehrenamtlichen Initiativen – ohne die wir ziemlich alt aussähen – die Chance bieten würden, sich darzustellen? Ähnliches könnte sich zum Thema Verkehr anbieten, unter dem Motto: Wie sieht die Mobilität der Zukunft auch in unserer Stadt aus? Vorstellbar wäre auch ein Treffen für Straßenmusiker aus nah und fern oder Filmvorführungen unter freiem Himmel, in etwa an der Stelle, wo früher das Scala-Kino war … Ich bin mir sicher, mit etwas Hirnschmalz und Fantasie könnten wir über diese Wildcards Veranstaltungen anbieten, die sich angenehm abheben von bier- und weinseliger Schunkelei.

Zum Schluss noch eine Anmerkung zum Stadtgarten und dem dortigen Pavillon. Ein wunderbarer Ort für Veranstaltungen fast aller Art, der aber leider ziemlich vor sich hingammelt. Wir denken, dass es an der Zeit ist, da etwas Geld in die Hand zu nehmen und für eine vernünftige Infrastruktur zu sorgen.

Holger Reile

 

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