Legalize it! Drogenpolitischer Sprecher der Linken in Villingen-Schwenningen

Autor | 11. Oktober 2015

Frank TempelLegalize it! Die Genoss_innen von der Linksjugend [solid] in Villingen-Schwenningen haben am vergangenen Freitag eine spannende und gutbesuchte Veranstaltung mit Frank Tempel, Linke-Bundestagsabgeordneter und drogenpolitischer Sprecher seiner Fraktion, auf die Beine gestellt. Es ging um die Legalisierung von Drogen – ein Thema, das „auch bei uns in Villingen-Schwenningen viele angeht“, wie Linksjugendsprecher Marvin Wiegand bei der Begrüßung des Referenten festellte.

Frank Tempel plädiert für ein Umdenken in der Drogenpolitik und damit einhergehend für eine langfristige Legalisierung aller Drogen. Tempel, der vor seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter Kriminaloberkommissar war, berichtet anschaulich seine Erfahrungen mit Drogenkriminalität, die er als Sozialarbeiter und später als stellvertretender Leiter einer mobilen Drogenfahndungsgruppe gewonnen hatte. Für alle Anwesenden nachvollziehbar, erklärte Tempel, wie er vom einfachen Befürworter einer Cannabisfreigabe zum Verfechter der Legalisierung aller Drogen wurde.

Verbraucher- und Gesundheitsschutz könne man nur gewährleisten, wenn der Staat auch Zugriff auf Produktion und Vertrieb der Drogen habe. Dies sei auf dem Schwarzmarkt nicht möglich. Durch die Kriminalisierung des Konsums würden Abhängige illegaler Drogen oft viel zu lang auf ärztliche Hilfe und Therapie verzichten, da sie sich beim Arzt zunächst per se als „Kriminelle“ outen müssten. Dies erschwere oft eine wirksame Therapie, da die Betroffenen – im Gegensatz zu Alkohol oder Tabak – zu lange in der Gesellschaft und ihrem sozialen Umfeld unerkannt blieben.

Tempel führt aus, dass Prävention im Bereich der Drogen wesentlich effektiver sei als Repression. So wurden im Bereich des Tabakkonsums unter Jugendlichen durch Prävention große Fortschritte erzielt. Jagd auf Suchtkranke und Konsument_innen sei dagegen nur Selbstbeschäftigung, konstatiert der Polizist a.D. Auch mit der Befürchtung, Cannabis sei eine Einstiegsdroge, räumte er auf: „Nur zwei bis sechs Prozent aller Cannabis-Konsument_innen steigen später auf harte Drogen um“, so Tempel.

Für kritikwürdig hält Tempel auch das Sonderstrafrecht für Cannabiskonsument_innen im Straßenverkehr. Er betonte ausdrücklich, dass niemand, der unter Drogeneinfluss steht, in den Straßenverkehr gehöre, jedoch sei die Ungleichbehandlung von Cannabis- und Alkoholkonsument_innen nicht nachvollziehbar. So kann Cannabiskonsum, der in keinem Zusammenhang mit dem Straßenvehrkehr steht, zum Entzug der Fahrerlaubnis führen, Alkoholkonsum jedoch nicht.

Frank Tempels Plädoyer für eine Legalisierung von Drogen „kam nicht zuletzt auch bei Skeptikern des Themas gut an“, konzedierte selbst der Südkurier in seinem Bericht über die gelungene Linksjugend-Veranstaltung. – red/Foto: Nico

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