LLK-Stadtrat: „Unerträgliche Volksverhetzung“ beim Südkurier nicht mehr zulassen

Autor | 27. Juni 2015

Gegen RassismusMit einer nicht ganz alltäglichen Bitte wandte sich LLK-Stadtrat Holger Reile bei der letzten Gemeinderatssitzung an seine Ratskolleg_innen und den Oberbürgermeister. Er bat sie, auf die Verantwortlichen beim Südkurier einzuwirken, fremdenfeindliche Hassbotschaften wie sie auf den Online-Seiten der örtlichen Tageszeitung seit Monaten als Kommentare erscheinen, künftig nicht mehr zu zuzulassen. Sein Appell:

WORTLAUT | Herr Oberbürgermeister, Kolleginnen und Kollegen,
aus aktuellem Anlass möchte ich Sie und auch uns alle bitten, zu intervenieren. Es geht um Folgendes: Seit Monaten treiben anonyme Hassprediger auf den Online-Seiten der hiesigen Tageszeitung ihr widerliches Unwesen– die seriös berichtenden Kolleginnen und Kollegen aus der Printabteilung haben damit nichts zu tun und seien von meiner Kritik ausgenommen. Vor allem wenn es um das Thema Flüchtlinge geht, werden Kommentare frei geschaltet, die rassistischer und menschenverachtender kaum sein könnten. Von, Zitat, „afrikanischen und kosovarischen Sozialtouristen“ war da die Rede, und auch davon, dass Romafamilien nur zu uns kämen, um uns – ebenfalls Zitat „auszurauben und zu bestehlen“. Ganze Ethnien werden seit Wochen aufs übelste verunglimpft und diskriminiert.

Vorletzte Woche war übrigens zu lesen, Zitat: „Vergewaltigung ist bei Afrikanern ein Volkssport“. Dazu ließ die Redaktion Linkverweise auf rechtsradikale Publikationen zu und erlaubte Werbung für Pegida. Nach Angabe der Verlagsleitung erreicht die Online-Ausgabe täglich mehr als 20 000 Leserinnen und Leser. Äußerungen der übelsten Art blieben oft tagelang stehen und wurden erst später gelöscht. Doch Kontrollfunktionen scheint es bei der zuständigen Redaktion nicht zu geben: Letzte Woche durfte ein rechtsradikaler Schmutzfink in aller Breite sogar die Waffen-SS verherrlichen. Die Belege liegen vor, falls Sie Einsicht nehmen wollen.

Es ist selbstverständlich einer freien Presse überlassen, was sie veröffentlicht und was nicht und da verbietet sich weitgehend eine Einmischung. Aber was auf den Online-Seiten frei geschaltet wurde und zum Teil immer wieder Eingang findet, hat rein gar nichts mit Meinungsvielfalt oder Pressefreiheit zu tun. Hier hetzt ein brauner Mob im Dickicht der Anonymität gegen Menschen, die bei uns Schutz und Hilfe suchen. Konstanz versteht sich dankenswerter Weise als offene und liberale Kommune, die sich eine Willkommenskultur auf die Fahnen geschrieben hat und auch wir in diesem Gremium haben eine Resolution gegen Rassismus und völkischen Nationalismus beschlossen.

Aus diesem Grund, Herr Oberbürgermeister, wollte ich Sie bitten, bei der Verlagsleitung gegen diese Art von unerträglicher Volksverhetzung zu protestieren und darauf zu drängen, dass diesem Tun endgültig ein Riegel vorgeschoben wird.

red

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