Konzil feiern?

Nein zum überteuerten Konziljubiläum!

Konstanz will geschlagene fünf Jahre lang das Jubiläum des Konzils 1414-1418 feiern. Insgesamt sind dafür Kosten von rund 12 Millionen Euro veranschlagt, die Hälfte davon wird die Stadt übernehmen. Wir haben von Anfang an im Gemeinderat gefordert, für die anstehenden Feierlichkeiten maximal 2 Millionen städtischer Mittel zur Ver­fügung zu stellen und bei den Kirchen eine angemessene Kostenbeteiligung einzufordern, fanden dafür aber keine Mehrheit. Mit viel Mühe ist es uns im­merhin gelungen, den Nachbau eines mittelalterlichen Bootes – Kosten bis zu 400.000 Euro – zu verhindern. Auch der Handwerkermarkt wurde nicht zuletzt aufgrund unserer Inter­vention auf nunmehr eine Woche eingedampft, Kostenersparnis für die Stadt: etwa 200.000 Euro.

Andere – ebenso teure wie sinnlose – Projekte wurden von der Mehrheit des Gemeinderats hingegen kritiklos genehmigt. Unsere Vorschläge, das Jubiläum etwa durch Angebote für die Jugend interessanter zu gestalten, fanden keine Unterstützung, und so bleibt das Programm ein fantasieloses Sammelsurium.

Das Angebot ist außerdem stark kirchenlastig. Veranstaltungen für FreidenkerInnen, Hu­manistInnen, KirchenkritikerInnen und Konfessionslose – also die Mehrheit unserer Be­völkerung – fehlen fast völlig. Mehrmals haben wir in allen Gremien auch darauf aufmerksam gemacht, dass das Konzil die brutalen Justizmorde an Jan Hus und Hieronymus von Prag beschloss. Die Feierlich­keiten hätten eine gute Gelegenheit geboten, von der Kirche in aller Deutlichkeit die längst fällige Rehabilitierung der beiden Reformatoren einzufordern.

Die Mehrheit des Gemeinderates hatte daran kein Interesse, sie will es sich offensichtlich mit dem Klerus nicht verderben. Hier wurden Chancen vertan, Stellung zu beziehen und so eine breite Bürgerschaft für die Feierlichkeiten zu interessieren.

Das millionenschwere Programm löst die vollmundigen Ankün­digungen, mit dem Konziljubiläum werde Konstanz für mehrere Jahre in den Blickpunkt Europas rücken, nicht ein. Das Pro­gramm bietet vielmehr öde Hurrakultur für eine Minderheit, blendet historische Probleme aus und vermeidet greifbare Be­züge zu unserer Gegenwart. Die TouristInnenen werden ausbleiben und die Stadt wird Millionen für eine belanglose Mit­telalter-Show verpulvern, während andere Kulturinstitutionen darben und Gelder für eine angemessene Bezahlung von Pfle­gekräften angeblich fehlen.

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