Sozialverbände: Wohnungsnot ist „zentrales Thema“ im Landkreis

Autor | 19. Mai 2014
Hegau-Tower

Hegau-Tower in Singen: Protzbauten statt Sozialwohnungen

Die Liga der freien Wohlfahrtspflege im Landkreis Konstanz hat Wahlprüfsteine an alle KandidatInnen für die Kreistagswahlen am 25. Mai verschickt. Darin beschäftigen sich die Sozialverbände, darunter die Arbeiterwohlfahrt, die Caritas und das Deutsche Rote Kreuz unter anderem mit der Wohnsituation im Landkreis. Sie ziehen ein vernichtendes Resume: Es gäbe schon lange keinen ausreichenden bezahlbaren Wohnraum mehr, viele Menschen müßten als Folge davon in „prekären, ungesicherten und belastenden Unterkunftssituationen“ leben. Außerdem sei zu beklagen, dass immer mehr Menschen im Landkreis obdachlos werden. Für die Sozialverbände ist deshalb die Wohnungsnot „das zentrale Thema, das sich durch alle Bereiche der sozialen Arbeit zieht“. Die Verbände fordern vom Landkreis die Einberufung einer Wohnraumkonferenz noch 2014, bei der unter Einbeziehung von Städten und Gemeinden, der Liga und weiteren Akteuren eine „Gesamtkonzeption“ für den Kampf gegen die Wohnungsnot erarbeitet werden soll. Peter Mannherz, Kreistagskandidat der Partei DIE LINKE bei den Kommunalwahlen, nimmt die Wahlprüfsteine zum Anlass, um am Beispiel der Stadt Singen den Ursachen der Wohnungsnot nachzugehen.

Rettet den sozialen Wohnungsbau – nicht nur in Singen!

Die Liga der freien Wohlfahrtspflege im Landkreis Konstanz beklagen in ihren Wahlprüfsteinen für die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 den Zustand, dass es im Landkreis Konstanz schon lange keinen ausreichenden bezahlbaren Wohnraum mehr gibt. Gerade in Singen mit einem hohen Anteil an sozial schwachen Einwohnern wird das zunehmend zu einem riesigen Problem.

Die Stadt Singen hat sich leider vollständig aus dem Bereich „soziales Bauen und Wohnen“ verabschiedet. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GVV GmbH befindet sich finanziell in einer mehr als kritischen Situation. Daran ändert das Darlehen der Stadt Singen über 5 Mio. Euro und übernommene Bürgschaften der Stadt über insgesamt ca. 14 Millionen gar nichts. Viele Millionen wurden in der GVV für Protzbauten wie den Hegautower (siehe Bild) und anderes verschleudert.

Ganz schlimm sieht es auch mit den Grundstückskäufen im Kunsthallenareal aus. Hier wurden aberwitzig hohe Kaufpreise für den Aufkauf von Grundstücken bezahlt um dort ein Einkaufszentrum zu errichten. Große Teile des Wohnungsbestandes der GVV wurden bereits als Tafelsilber verschleudert und verkauft. Sollte sich herausstellen, dass alle Geschäftsbereiche der GVV chronisch defizitär sind, dürfte es für die GVV ganz eng werden…

Ein ähnlicher Wahnsinn bahnt sich nun am Bahnhof an. Singen soll ein Einkaufszentrum größer als das LAGO in Konstanz bekommen! Der neue OB Häusler muss nun starken Worten endlich auch Taten folgen lassen. Wenn er sich nicht erpressen lassen will, sollte er mit allen Mitteln dieses Einkaufszentrum am Bahnhof verhindern und dort mindestens eine Mischbebauung mit Wohnungen durchsetzen. Anstatt 16.000 nur 13.000 Quadratmeter neue Einzelhandelsflächen zu genehmigen, ist keine Lösung.

Das allerschlimmste ist, dass hohe finanzielle Reserven der Stadt in der GVV verschleudert wurden. Geld, das jetzt zur Wahrnehmung sozialer Aufgaben in der Stadt an allen Ecken und Enden fehlt.

So sieht sieht es mit der Perspektive einer sozialen Stadt mit Aktivitäten im Bereich des sozialen Wohnens, insbesondere für Kinderreiche, Sozialrentner und Hartz IV-Empfänger, ganz trübe aus. Den Betroffenen bringt die derzeit ausgetragene Schlammschlacht um den tragischen Tod des GVV-Geschäftsführers gar nichts.

Es ist eine Schande. Gäbe es nicht die Wohnbaugenossenschaften in Singen sähe es mit sozialverträglicher Vermietung von Wohnraum in Singen ganz trübe aus. Nur ist dieses Angebot für einkommensschwache Personen – nicht nur in Singen – völlig unzureichend.

Peter Mannherz

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