Lago-Brücke: LLK will Abriss prüfen lassen

Autor | 24. Juni 2020

Bei seiner Sitzung am 25. Juni soll der Konstanzer Gemeinderat einem Antrag der Stadtverwaltung zustimmen, die Fußgängerbrücke am Einkaufszentrum Lago von Grund auf zu sanieren. An der erst 2004 fertiggestellten Querung stellten Prüfer schon nach sechs Jahren gravierende Schäden fest. Sie haben mittlerweile ein Ausmaß erreicht, das eine kostspielige Renovierung unumgänglich macht. Die Linke Liste Konstanz (LLK) hingegen will einen Abriss des Bauwerks, das vor allem mehr Kunden ins Lago locken soll, prüfen lassen. Dafür gibt es mehrere gute Gründe.

Der Verwaltung zufolge würde die Rundumerneuerung mit mindestens 3 Millionen Euro zu Buche schlagen, eine mit Vorsicht zu betrachtende Schätzung, kamen jüngste Bauprojekte doch fast immer empfindlich teurer als veranschlagt. Gravierender noch fällt ins Gewicht, dass fast zwei Drittel der Kosten an der Stadt hängen bleiben sollen. Die Verwaltung will zwar Fördergelder beim Land beantragen, mehr als 800.000 Euro werden damit nach eigener Erwartung nicht zu holen sein. Da der Hauptnutznießer Lago lediglich ein Zehntel der Sanierungskosten zu tragen bereit ist, müsste die Stadt mit mindestens 1,9 Millionen Euro tief in ihre Haushaltskasse greifen.

Eine Lastenverteilung, die von der LLK strikt abgelehnt wird. “Bei der Brücke handelt es sich vornehmlich um Infrastruktur zum Nutzen des Lago”, begründet LLK-Stadtrat Simon Pschorr die Haltung seiner Fraktion. Es sei ein Fehler gewesen, das Bauwerk bei seiner Fertigstellung 2004 an die Stadt zu überschreiben, kritisiert Pschorr. Das räche sich jetzt, weil der millionenschwere Zentrumsbetreiber die anfallenden Sanierungs- und Unterhaltungskosten fast vollständig auf die öffentliche Hand abwälzen könne.

Zudem sei die Brücke für eine weitere Erschließung des Seeufers gar nicht erforderlich, ist der LLK-Rat überzeugt: “130 m nördlich steht bereits eine – ebenfalls renovierungsbedürftige – barrierefreie Fußgängerbrücke. Die Lago-Brücke dient damit überwiegend der Erschließung des Einkaufszentrums, des Kinos und des Parkhauses”. Fußgängerverkehre könnten unproblematisch auch über die bestehende Brücke am Schweizer Bahnhof geführt werden. Pschorr verweist auf andere Infrastrukturprojekte, bei denen stets die Messlatte der Erforderlichkeit angelegt werde. So in der Debatte um die Route der Linie 6 durch die Markgrafenstraße, bei der Verwaltung und Stadtwerke vehement darauf hingewiesen hatten, nur wenige hundert Meter entfernt gäbe es genügend Haltestellen. “Nun allerdings will die Stadt zugunsten eines Einkaufszentrumsbetreibers einen mehrfachen Millionenbetrag investieren; mit dem Risiko, dass die Brücke in naher Zukunft erneut baufällig wird. Es droht angesichts des schnellen Verfalls aufgrund mangelhafter Bausubstanz ein wiederkehrender Schaden für die städtischen Haushalte.”

Das Resümee, das seine Fraktion nach Abwägung all dieser Aspekte gezogen habe: “Die Lago-Brücke ist für den städtischen Verkehr nicht erforderlich, für den Haushalt nachhaltig schädlich und damit ein Hindernis, wichtige andere Projekte wie beispielsweise ein Fahrradparkhaus voranzubringen.” Die LLK wird deshalb im Gemeinderat den Antrag stellen, einen Abriss des Bauwerks zu prüfen.

MM/jüg (Foto: Renardo la vulpo / CC BY-SA)

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