Bodenseeforum vor dem Offenbarungseid?

Autor | 4. Oktober 2018

Wer gedacht hatte, noch schlimmer könne es nicht kommen beim Verlustbringer Nummer eins der Stadt, sieht sich durch die aktuell veröffentlichten Zahlen und Fakten eines besseren belehrt. Auch im dritten Wirtschaftsjahr befindet sich das Bodenseeforum weiter auf Talfahrt, mit wachsender Geschwindigkeit, wie aus dem jüngsten Quartalsbericht hervorgeht. Droht dem maroden Veranstaltungstempel nun bald gar das Aus?

Wieder einmal haben die Verantwortlichen bei der Stadtverwaltung nur Hiobsbotschaften zu überbringen, wenn der Betriebsausschuss Bodenseeforum am kommenden Dienstag über die Lage beim städtischen Veranstaltungshaus berät. Der Quartalsbericht, den die Leitung des städtischen Eigenbetriebs vorlegt, malt die Zukunft in düsteren Farben. Nachdem die 20 Millionen Euro teure Einrichtung schon im vergangenen Jahr mehr als zwei Millionen Verluste eingefahren hatte, beschleunigt sich der wirtschaftliche Niedergang weiter. Klar ist: Das vom Gemeinderat, dessen anfängliche Euphorie längst verflogen ist, zähneknirschend bewilligte Jahresdefizit von knapp 1,2 Millionen wird bei weitem nicht ausreichen, um das Eurograb am Seerhein über Wasser zu halten, ist es doch allein von Januar bis Juni 2018 schon um weitere 646.500 Euro Miese überschritten worden. Geht es in dieser Geschwindigkeit weiter, klafft am Jahresende eine Finanzlücke von womöglich bis zu drei Millionen Euro.

Als Grund für die Negativentwicklung nennt der Quartalsbericht so zutreffend wie nichtssagend, „dass Umsätze nicht wie vorgesehen generiert werden konnten“, zudem sei man mit „nicht vorgesehenen Steuerbelasungen“ konfrontiert gewesen. Dem Bericht zufolge soll das Abspringen eines Großkunden maßgeblich für die aktuelle Malaise verantwortlich sein. Ein mehr als klägliches Eingeständnis, dass man sich mit den vollmundigen Behauptungen, wonach potente Interessenten nur auf das Haus am Seerhein warten würden, völlig verkalkuliert hatte. Unverständlich zudem, warum gut bezahlte Führungskräfte nicht imstande sind, die Größenordnung der zu erwartenden Steuerlast für einen städtischen Eigenbetrieb im voraus zu beziffern.

Am kommenden Dienstag wird die Verwaltung den Ausschussmitgliedern nun fünf Zukunftszenarien vorlegen, wie es mit dem Verlustbringer weitergehen soll. Sie reichen von einem trotzigen Weiter so („Weiterführung des Hauses unter den bestehenden Prämissen“) über die Umwidmung zur „Stadthalle“ bis zum „Verkauf des Teileigentums an der Immobilie Reichenaustraße 21“. Selbst ein weiteres Hotel inklusive Konzertsaal auf dem benachbarten Gründstück bringen die Verantwortlichen ins Spiel. Dass man nun im Rathaus selbst das Projekt in Frage stellt, zeigt die ganze Dramatik der Lage. In der offenkundig herrschenden Verzweiflung ruft die Stadtspitze einmal mehr nach Hilfe von außen. So soll der Betriebsausschuss die Verwaltung ermächtigen, „für die inhaltliche Erarbeitung der Szenarien externe Beratung hinzuzuziehen“. Kostenpunkt: 150.000 Euro, die auf das Millionendefizit noch obendrauf kommen würden. Den Nutzen darf man mit Fug und Recht bezweifeln, gründeten doch die BoFo-Fans ihren damals noch überschäumenden Optimismus in den Erfolg des ehrgeizigen Projekts ebenfalls auf externe Expertisen.

Die jetzt vorgelegten Zahlen lassen nur einen Schluss zu: Das von Oberbürgermeister Uli Burchardt und einer ganz großen Gemeinderatsfraktion durchgepeitschte Projekt, mit dem ehrgeizige LokalhonoratiorInnen Konstanz in die Liga bedeutender Kongressstädte katapultieren wollten, ist auf der ganzen Linie gescheitert. Einzig die Linke Liste hatte damals dem Prestigeprojekt kategorisch die Zustimmung verweigert. Ihre StadträtInnen machten nicht nur geltend, dass angesichts drängender sozialer Probleme die Millionen etwa in den Bau bezahlbarer Wohnungen oder Kitas investiert gehörten, sie verwiesen auch auf die erheblichen finanziellen Risiken des im Eiltempo realisierten Unterfangens.

Die LLK stieß damit indes nicht nur im traditionsbürgerlichen Lager, sondern auch bei Grünen und Sozialdemokraten auf taube Ohren. Wie berechtigt die Warnungen waren, zeigt sich nun in hässlicher Deutlichkeit. Bezahlen muss das größenwahnsinnige Prestigeprojekt die Bevölkerung nicht nur mit Steuermillionen, sie wartet auch immer noch vergeblich auf dringend nötigen erschwinglichen Wohnraum und den Ausbau der sozialen Infrastruktur, der längst nicht mehr mit der steigenden Einwohnerzahl Schritt hält. Nun bleibt nur, die Scherben zusammenzukehren. Die Linke Liste wird sich konsequent für eine Lösung einsetzen, die weiteren Schaden von der Bevölkerung abwendet.

J. Geiger (Bildnachweis: Lorth, Gessler, Mittelstaedt)

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