„Was verträgt eigentlich der Stadtteil Petershausen noch?“

Autor | 30. September 2016

Holger ReileDämpfer für den Oberbürgermeister: Der Gemeinderat hat das Projekt Panoramaturm am Seerhein erst mal auf Eis gelegt. Die Linke Liste Konstanz (LLK) hat sich schon im Vorfeld gegen das Projekt ausgesprochen. Die BewohnerInnen des von Verkehr, Lärm und Dreck geplagte Quartiers brauchen mehr Grün, Freizeit- und Begegnungsmöglichkeiten und nicht weitere Touristenscharen, die sich durch den geplagten Stadtteil wälzen. Das sahen bei der Ratssitzung am 29.9. offenbar auch andere Stadträte so, die Verwaltung wurde per Beschluss zum Nachbessern verdonnert. Eine Entscheidung fällt erst bei einer weiteren Gemeinderatssitzung. Für die LLK begründete Stadtrat Holger Reile, warum sie das Projekt ablehnt. Der Beitrag im Wortlaut:

Um es gleich vorneweg zu sagen: Die Projektidee ASISI überzeugt uns nicht. Es geht dabei nicht um eine künstlerische Bewertung, uns stellen sich aber Fragen, die über die Vorlage nicht beantwortet werden – einer Vorlage, die sehr bemüht daher kommt und sich auch nicht davor scheut, schräge Vergleiche zu bemühen, die einer kritischen Überprüfung nicht stand halten. So träumt man davon, nach dem Ende der Konzilsfeierlichkeiten würde das Projekt ASISI eben diese Feierlichkeiten automatisch verlängern. Das ist reines Wunschdenken und negiert die Kritik vieler Konstanzerinnen und Konstanzer, die zu Recht das Gefühl haben, dass vor allem an ihren Bedürfnissen vorbei geplant wird und die Stadt zunehmend zum alleinigen Spielball derer wird, die auf fette Gewinne hoffen. Beispiele dafür gibt es in unserer Stadt leider genug.

Kolleginnen und Kollegen: Stimmen Sie mehrheitlich dafür, müssten Sie doch zumindest von folgenden Fragen umgetrieben werden: Eines der letzten Sahnestücke am Seerhein soll für den Zeitraum von sage und schreibe zehn Jahren an den Investor vermietet werden. Warum so lange? Von einem Mietzins ist vage die Rede, über den man noch verhandeln müsse. Was stellt sich die Verwaltung da in etwa vor und warum besteht sie von Anfang an nicht auf einer Gewinnbeteiligung? Denn auf Gewinne, und nur darauf, ist dieses Projekt angelegt. Dazu: Das Gebäude muss – im Gegensatz zu Pforzheim – erst errichtet werden und wird dann alle anderen an dieser Stelle überragen. Will man das wirklich?

Was uns darüberhinaus beschäftigt ist aber hauptsächlich die Frage: Was verträgt eigentlich der Stadtteil Petershausen noch? Der ASISI-Investor rechnet mit bis zu 150 000 Besuchern jährlich – will heißen: Noch mehr Verkehr, noch mehr Lärm und noch mehr Dreck auf engstem Raum. Wie wäre es denn, Kolleginnen und Kollegen, zuerst einmal die BürgerInnen und Bürger in diesem Stadtteil zu befragen und ein Stimmungsbild zu entwickeln, bevor man dieses Projekt weiter vorantreibt? Nur auf die zu erwartende Belebung für Gastronomie, Hotellerie und Tourismus zu verweisen, ist uns zu dürftig und negiert auch die banale Erkenntnis, dass Wachstum Grenzen hat. Und das gilt auch und besonders für Konstanz.

Eine Anmerkung noch: Unserer Meinung nach sollten die zwei Grundstücke neben dem sogenannten Bodenseeforum bürgerfreundlich als Erholungs- und Freizeitzone entwickelt werden. Da passt weder ein monströser Panorama-Bau hin und auch der Wunsch nach einem Konzerthaus, das ziemlich sicher unter 30 Millionen aufwärts nicht zu haben sein wird, ist einer von vorgestern. Ständig aufgewärmt und hochgekocht, wird er nicht schmackhafter.

So gesehen wird es Sie wahrscheinlich nicht wundern, dass wir von der Linken Liste der ASISI-Idee unsere Zustimmung verweigern.

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Ein Kommentar zu “„Was verträgt eigentlich der Stadtteil Petershausen noch?“

  1. Pingback: Gemeinderat vertagt Entscheidung über Panoramaturm | LINKE LISTE Konstanz

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