Rede zum Volkstrauertag von Wolfgang Moßmann

Autor | 22. November 2025

Am 16. November erinnerte Wolfgang Moßmann in einer Rede an die Opfer der Faschisten, insbesondere an Max Maddalena, und forderte, auch heute den Anfängen zu wehren.

Liebe Anwesende,

wir haben uns – wie in so vielen Jahren zuvor – auch heute hier am Gedenkstein auf dem Singener Waldfriedhof versammelt, um der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken.

Dieser bereits 1950 errichtete Stein trägt die Namen der damals bekannten Singener Opfer des Nationalsozialismus.

Eines von ihnen war Max Maddalena. Max Maddalena, geboren 1895 in Riedheim, war ein Kind des Hegaus – ein Bub vom Dorf, der 1928 zum Reichstagsabgeordneten wurde. Als Metallarbeiter in Singen engagierte er sich früh für die Rechte der Arbeiterinnen und Arbeiter, zuerst in der SPD, später in der KPD. Er trat für soziale Gerechtigkeit, für Demokratie und für den Frieden ein. Während des Ersten Weltkriegs schwer verwundet, setzte er sich nach dem Krieg für die Menschen ein, deren Stimme kaum ein Gewicht hatte.

Nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten wurde Max Maddalena verfolgt, verhaftet und gefoltert. Sein unerschütterlicher Einsatz für Freiheit und Menschlichkeit führte zu seinem grausamen Tod im Zuchthaus Brandenburg-Görden im Oktober 1943. Wie so viele andere, deren Namen oft vergessen sind.

Heute erinnern dieser Gedenkstein, eine Gedenktafel vor dem Reichstagsgebäude in Berlin, eine Straße und ein Stolperstein in Singen sowie ein Gedenkstein in Riedheim an ihn – und an sein Vermächtnis.

Doch unser Gedenken darf nicht bei den Namen enden. Es muss Mahnung sein – Mahnung gegen das Vergessen, gegen das Wiedererstarken von Hass, Intoleranz und Rechtsextremismus.

Wenn heute wieder Parteien wie die rechtsextreme AfD offen Hass säen und Geschichtsrevisionismus betreiben, dann dürfen wir nicht schweigen. Das Feld des Erinnerns gehört nicht denen, die die Geschichte verfälschen und die Opfer als „Vogelschiss der Geschichte“ verhöhnen.

„Nie wieder“ war der Schwur der Überlebenden – und er bleibt unser Auftrag.

Nie wieder darf sich Faschismus in diesem Land breitmachen. Nie wieder dürfen Menschen wegen ihrer Herkunft, Religion, Überzeugung, Sexualität oder wegen ihres sozialen Status verfolgt werden.

Tun wir alles dafür – im Gespräch, im Widerspruch, im Alltag. Für eine offene, menschliche und demokratische Gesellschaft.

So ehren wir wahrhaftig die Opfer – und geben ihrer Hoffnung auf eine bessere Welt eine Zukunft. Bild: Gedenktafeln am Reichstag für die 96 von den Nazis ermordeten Reichstagsmitglieder.

Foto, aufgenommen am 20. April 2010: Sarah Ewart auf Wikipedia. This file is licensed under the Creative CommonsAttribution-Share Alike 3.0 Unported license.

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