
In der letzten Gemeinderatssitzung ergriff unser Stadtrat Wolfgang „Moses“ Moßmann das Wort, um sich für die weitere Förderung eines Inklusionsprojektes der HSG (Handballspielgemeinschaft Konstanz) einzusetzen. Hier sein Redebeitrag.
Die Anträge zur finanziellen Unterstützung des Aktivgartens der HSG waren ja schon im Haupt-, Finanz- und Klimaausschuss sowie im Sportausschuss, wo sie mit großer Mehrheit angenommen wurden. Daher überrascht mich die heutige Diskussion hier im Gemeinderat.
Wir haben hier schon viele Argumente gegen die finanzielle Unterstützung durch die Stadt Konstanz gehört, beispielsweise:
– „Im Vergleich zu anderen Vereinen wäre dieses Projekt eine absolute Bevorzugung.“
– „Andere Vereine sind auch aktiv, kriegen das aber mit weniger Geld hin.“
– „Das sprengt das Budget.“
– „Dieses Projekt ist der Mercedes unter den Projekten.“
Die Begründung der Verwaltung, weshalb sie das Projekt nicht mehr fördern will, steht in den Sitzungsunterlagen: „Inklusion ist kein Projekt – Inklusion ist eine Haltung.“
Aber Haltung fällt nicht vom Himmel! Demokratie ist auch eine Haltung, aber wenn sie nicht erlebbar, erfahrbar, begreifbar wird, sprich, wenn zu wenig dafür getan wird – was dann geschieht, erleben wir gerade.
Eine Gruppe oder ein Team ist immer nur so schnell wie das langsamste Mitglied. Eine gute Gruppe oder ein gutes Team schaut, dass niemand zurückbleibt. Das gilt auch in einer Gesellschaft, wer abgehängt wird, ist nicht mehr Teil der Gruppe, der oder die fühlt sich nicht mehr zugehörig.
Würden wir diese Diskussion aus einer Perspektive führen, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt und nicht die Kosten, wäre die Sache klar. Dann wäre ein Vergleich mit einem Mercedes unmöglich. Denn das Projekt ist kein Mercedes, sondern ein Leuchtturm. Ein Leuchtturm, den sich die Stadt nicht leisten kann und soll, so die allgemeine Auffassung. Und ich meine das nicht moralisch, sondern politisch. Sonst würde ich Ihnen ja mangelnde Empathie unterstellen und das tue ich nicht.
Aber diese Diskussion zeigt, wie sich diese Gesellschaft entwickeln wird. Wir müssen sparen, hört man überall. Woher aber nehmen und nicht stehlen? Diese Frage stellen wir uns. Diese Frage stellt sich das Kapital nicht. Deshalb ist es so wie es ist.
Wir unterstützen diesen Antrag, weil dieses Projekt ganz toll ist, weil es viele Befürworter hat und weil es in unseren Augen richtig ist, dies zu tun.
