Respekt zeigen heißt: anständig bezahlen

Autor | 30. März 2020

In ihrer Freizeit dürfen sich die Menschen draußen nur zu zweit treffen, sonst schreitet die Polizei ein. Für Beschäftigte am Arbeitsplatz gilt das nicht. In vielen Betrieben wird weiter beengt gearbeitet. Zur und auf Arbeit darf man auch den Bus oder die Bahn benutzen!

Viele Menschen in systemrelevanten Berufen, wie die Menschen im Einzel­handel, arbeiten bis zum Umfallen und riskieren dabei ihre Gesundheit. Dazu gehören vor allem die Kassierer*innen, die Regal­bestücker*in­nen und die Thekenverkäufer*innen. Und es sind vor allem Frauen, die den Laden am Laufen halten.

Seit Tagen werden diese Angestellten in den höchsten Tönen gelobt, mit Applaus vom Balkon und Lob von der Kanzlerin bedacht. Es ist schön und gut, dass ihnen jetzt Respekt entgegengebracht wird. Aber warum erst jetzt?

Die Anerkennung von Bedeutung und Risiko dieser Berufe sollte sich auch in der Bezahlung ausdrücken. Während die Besitzer der Supermärkte und Discounter gerade Rekordgewinne einstreichen, sitzen die Kassierenden an den Kassen, machen Überstunden, sind einem hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt und bekommen keinen Cent mehr. Für Pflegekräfte und Ärzte gibt es nicht genug Masken und Schutzkleidung – für die Arbeitenden in den Supermärkten schon gar nicht.

Und bezahlt werden sie seit eh und je mies. Wenn man ihnen jetzt wirklich Respekt entgegen bringen will, muss sich der auch in besserer Bezahlung niederschlagen! Einmalzahlungen in der Krise sind da ein gutes Zeichen.

Es ist deshalb zu begrüßen, dass sich Ver.di dafür stark macht, dass die Arbeitgeber in allen betroffenen Bereichen eine besondere Anerkennung von zusätzlich € 500 pro Monat, in dem die Krise andauert, zahlen. Dazu der Ver.di-Vorsitzende Frank Werneke:

„Unsere Forderung an die Politik lautet: dieser Betrag soll steuerfrei sein! Viele Tätigkeiten wurden in der Vergangenheit in dieser Gesellschaft von vielen unterschätzt und sind unterbezahlt. Jetzt zeigt sich: sie sind die Leistungsträger*innen, ohne die hier alles zusammenbrechen würde.“ so Werneke.

Allerdings sind für die Zukunft deshalb dauerhaft bessere tarifliche Entgelte und Regelungen erforderlich. Ganz konkret muss die Tarifbindung im Einzelhandel verbessert werden. Nur etwa ein Drittel der Beschäftigten profitieren von tarifvertraglichen Regelungen. Auch der Einzelhandelsverband muss seinen Widerstand gegen die Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge aufgeben, die Bundesregierung muss die Möglichkeit dafür vereinfachen.

Doch auch neben den vielen Menschen, die gerade durch ihre Arbeit im Lebensmittel-handel uns alle trotz der Krise weiter versorgen, gibt es auch noch die zahlreichen Angestellten, die in Kleidungsgeschäften, Kaufhäusern und Spezialgeschäften arbeiten. Auch ihre Löhne sind zu niedrig und sie kommen jetzt mit dem Kurzarbeitergeld in echte finanzielle Bedrängnis. Denn ohne zusätzliche tarifliche Vereinbarungen, und die fehlen im Einzelhandel, stehen sie mit 60 oder 67 Prozent ihres Gehalts da. Stellen Sie sich dabei auch noch die Situation der Teilzeitbeschäftigten vor.

Das Kurzarbeitergeld muss aufgestockt werden. Entweder durch tarifvertragliche Regelungen oder durch Aufstockungsbeträge der Bundesregierung. In unserem Nachbarland Österreich bekommen die von Kurzarbeit Betroffenen zwischen 80 und 90 Prozent ihre Nettogehalts. Das hat auch etwas mit Dank und Wertschätzung zu tun.

Bernhard Hanke

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