18. BürgerInnenbefragung und Tierwohl in Zirkussen

Autor | 29. April 2026

Auf der Gemeinderatssitzung vom 23. April 2026 sprach Stadträtin Anke Schwede im Gemeinderat zur 18. BürgerInnenbefragung und zum Verbot der Haltung und Vorführung von Wildtieren in Zirkusunternehmen auf städtischen Flächen.

BürgerInnenbefragung 2025 – Ergebnisse

Herr Oberbürgermeister, Kolleginnen und Kollegen, wertes Publikum,

auch wir danken Ihnen, Herr Prof. Hinz, und dem Team von der Universität Konstanz für die interessante Präsentation der Ergebnisse der 18. Befragungswelle.

Ich will im Folgenden die Erkenntnisse zu den Themen „Sicherheitsempfinden“, „Sportboote“ und „Seenachtfest“ herausgreifen. Zum Sicherheitsgefühl: 2025 nahmen Straftaten im öffentlichen Raum im Vergleich zum Vorjahr zwar um fast 6 Prozent ab, die Sicherheitswahrnehmung der Bevölkerung und statistische Zahlen stimmen aber bekanntermaßen nicht immer überein. Denn nicht jede bedrohliche Situation führt zu einer Straftat bzw. nicht jede mutmaßliche Straftat wird angezeigt. Jedenfalls zeigen die Ergebnisse, dass sich die Befragten mit steigendem Alter weniger sicher fühlen und insbesondere, dass sich das Sicherheitsempfinden von Frauen und Männern deutlich unterscheidet.

Zwischen 34 und 40 Prozent der weiblichen Befragten fühlen sich eher nicht oder nicht sicher, wenn sie
nachts alleine durch Konstanz gehen. Bei den männlichen Befragten sind das zwischen 15 und 22 %. Und bei der Betrachtung des Sicherheitsgefühls in der Wohngegend ist das Geschlecht der stärkste Faktor und liegt bei über 50 Prozent. In diesem Zusammenhang zeigt sich, dass Maßnahmen wie das Frauennachttaxi oder das sogenannte Heimwegtelefon sinnvoll sind. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an den Besuch von Vertreterinnen der Konstanzer Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes auf der Januar-Gemeinderatssitzung mit ihrer eindrucksvollen Karte der Angsträume. Dazu eine Frage an die Verwaltung: wie steht es um die Einführung des Frauennachttaxis, es hieß ja damals, es könnte zum 1. April oder 1. Mai klappen?

Zu denken gibt auch das Ergebnis, dass sich die geringste Zustimmung zur Aussage „Ich fühle mich sicher, wenn ich nachts alleine durch meine Wohngegend gehe“ bei Befragten in der Stadtregion Cityrand (Petershausen-West) findet. Die Vorfälle und Straftaten am Zähringerplatz scheinen ja auch zuzunehmen. Hier sollten wir genauer hinschauen und auch entsprechend mit Präventionsangeboten gegensteuern.

Nun kurz zu dem Thema „Sportboote“. Im Rahmen der Befragung wurde auch nach der Meinung zum gewünschten Antrieb bei Bootsneuzulassungen gefragt. 51 Prozent unterstützen den Vorschlag, nur noch elektrische Antriebsarten zuzulassen. Nur etwa jeder Fünte (22 Prozent) spricht sich dafür aus, auch in Zukunft Verbrenner-Motoren bei Neuzulassungen zu erlauben (die restlichen 27 Prozent sind unentschieden). Bemerkenswert ist dabei, dass die aktuelle Bootsnutzung keinen allzu großen Unterschied bei der Präferenz für zukünftige Elektroantriebe ausmacht. Ein politischer Vorstoß für mehr
Umweltbewusstsein und Sicherheit auf dem See wäre unserer Meinung nach, die wir ja schon in der Vergangenheit entsprechend geäußert haben, angebracht. Sprich zeitnah ein Verbot von Verbrenner-Motoren auf dem Bodensee umzusetzen.

Abschließend zum Seenachtfest: Hier zeigt sich, dass das alte Konzept überarbeitet werden sollte. Wie
bereits debattiert, sollte das Fest in Zukunft kleiner, aber dafür qualitätsvoller werden. Auch wir haben
uns mehrfach dafür ausgesprochen und die BürgerInnenbefragung weist auch in diese Richtung. Zum einen sinkt die Besuchsfrequenz der KonstanzerInnen. 58 Prozent der aktuell Befragten geben an, dass sie das Seenachtfest in den letzten drei Jahren nicht besucht haben. Interessant auch die Angaben zur Zukunft des Seenachtfests: Während im Jahr 2019 46 Prozent der Befragten das Feuerwerk auf dem See als Höhepunkt sahen, hat es mit insgesamt 37 Prozent an Beliebtheit eingebüßt. Ein weiterer Grund also, die Umweltbelastung durch die großen Feuerwerke in Konstanz und Kreuzlingen aufgrund von Feinstaub,
Lärm und Verkehrsbelastung endlich zu verringern und Alternativen umzusetzen.

Verbot der Haltung und Vorführung von Wildtieren in Zirkusunternehmen auf städtischen Flächen

Die Linke Liste plädiert schon seit längerem dafür, keine Flächen mehr an Zirkusbetriebe mit bestimmten
Arten wild lebender Tiere zu vermieten. Darunter fallen unter anderem Großkatzen wie Löwen und Tiger,
Elefanten, Krokodile, Affen, Giraffen, Zebras und Greifvögel. Denn im reisenden Gewerbe – v. a. in Zirkussen – gibt es keine geeigneten Möglichkeiten, erhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden der Tiere bei der Haltung und dem Transport grundsätzlich zu vermeiden bzw. wirksam zu beheben. Die Tiere
verbringen viel Zeit auf LKWs, an Ketten und in Käfigen. Die Dressur ist in der Regel von Zwang und
Gewalt geprägt.

Zudem lassen nur noch wenige europäische Länder Wildtiere im Zirkus uneingeschränkt zu. Damit gehört
Deutschland zu den traurigen Schlusslichtern im Tierschutz. Auch auf kommunaler Ebene gibt es Enschränkungen oder Verbote in einigen Kommunen: Der Heilbronner Gemeinderat hat im November 2015 beschlossen, künftig keine städtischen Flächen mehr an Zirkusbetriebe zu vermieten, die Wildtiere
wie Löwen, Elefanten oder Bären mitführen. Der Stuttgarter Gemeinderat hat im Januar 2017 beschlossen, kommunale Flächen künftig nicht mehr an Zirkusbetriebe zu vermieten, die Wildtiere wie Löwen, Tiger und Elefanten mitführen. In Heidelberg sind laut Platzpachtvertrag, den die Stadt Heidelberg mit Zirkusunternehmen schließt, das Halten und Vorführen vieler Wildtiere ausgeschlossen. Auch Baden-Baden hat ein Verbot von bestimmten Wildtieren im Zirkus auf kommunalen Flächen beschlossen.

All diese und weitere Städte nehmen also die rechtliche Unsicherheit zugunsten des Tierwohls in Kauf und haben schon entsprechend gehandelt. Am Rande: 2017 hatte das Bürgeramt auf Anfrage im Gemeinderat mitgeteilt, dass bei konkurrierenden Anfragen von Zirkussen demjenigen der Vorzug gegeben werde, der keine wilden Tiere mitführt und der Tierschutz im Falle einer Zusage von den zuständigen Stellen geprüft werde. Frage: Gibt es dieses Vorgehen heute noch?

Abschließend: Konstanz sollte sich endlich in die Liste der Städte einreihen, die Zirkusbetriebe mit
Wildtieren nicht willkommen heißen. Ich werde dem Antag der FGL also zustimmen.

Bild: © Daniel Schröder

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert