Monats-Archive: April 2016

Warnstreik gegen den Pflegenotstand

seemoz-Warnstreik+Theater 006„Wir versorgen doppelt so viele Patienten mit der Hälfte der PflegerInnen wie noch vor zehn Jahren“. Was die Streikenden aus der Intensivstation des Klinikums Konstanz gestern im Streikbüro der Gewerkschaft während ihres eintägigen Warnstreiks berichteten, wirft ein grelles Licht auf den Pflege-Notstand direkt vor unserer Haustür. Und besonders schlimm: Ein Gutteil der Probleme ist hausgemacht.

„Alles fing an mit der Zusammenlegung zweier Intensivstationen zu einer“, berichtet Hannes Hänßler aus der örtlichen Streikleitung, „zuerst in Singen, später auch in Konstanz“. Diese „Rationalisierung“ habe den Leistungsdruck gewaltig erhöht. Und deshalb sei die Streikbereitschaft im Konstanzer Klinikum heute so außerordentlich hoch. „Vor zwei Jahren noch hätte keine dieser Frauen gestreikt – heute hätte am liebsten auch der Notdienst am Streik mitgemacht.“ Vier Kolleginnen jeder Schicht im Dreischichtbetrieb waren zum Notdienst eingeteilt.

„Solange allein betriebswirtschaftliches Denken in der Führungsetage angesagt ist“, weiß Margrit Zepf, Bezirksgeschäftsführerin der verantwortlichen Gewerkschaft ver.di, „und nicht mehr das Wohl der Patienten, wird der Arbeitsdruck immer größer. Dann steigt der Krankenstand unter den Beschäftigten, dann wächst die Unzufriedenheit mit der Arbeit und der Frust.“

„Eigentlich wollten wir helfen, wollten pflegen“

Die Pflegerin J. K. kann das aus eigener Erfahrung nur bestätigen. Nach 17 Jahren auf der Intensivstation hat sie gerade in diesen Tagen gekündigt: „Ich hatte nicht mehr genügend Zeit für die Patienten. Und das zermürbt, denn wir haben doch alle diesen Beruf gewählt, weil wir helfen, pflegen wollen. Doch unter solchen Umständen ist das nicht mehr möglich.“

Rund 50 Schwestern arbeiten noch auf der Konstanzer Intensivstation – „allein 15 haben in den letzten zwei Jahren gekündigt“, weiß Streikleiter Hänßler. Die meisten sind auf Teilzeit umgestiegen, „denn als 100-Prozent-Kraft hält man das nicht aus,“ bestätigen die Streikenden, unter denen nur eine in Vollzeit arbeitet. Knapp 3000 Euro brutto verdient sie damit, alle anderen weit weniger. Und da sind die Zulagen, die sie für die schwere Arbeit auf der Intensivstation erhalten, bereits eingerechnet.

Operationen mussten verschoben werden

„Die Intensivstation ist ein besonders sensibler Bereich“, erklärt Gewerkschafterin Zepf, „für die Klinikleitung wie für uns.“ Deshalb traf der Warnstreik den Arbeitgeber besonders hart, der ausgeklügelte Arbeitsplan musste umorganisiert, einige Operationen mussten verschoben werden. „Und die Streikenden (zwei Männer und sonst nur Frauen) mussten noch einmal mehr erklären, warum gerade sie jetzt streiken.“

Sechs Prozent mehr Lohn fordert ver.di vor allem in den laufenden Tarifverhandlung. Das Angebot der Arbeitgeber-Seite: Null. Soviel zum Pflegenotstand in Deutschland und zu den hausgemachten Gründen.

Der eintägige Warnstreik am Konstanzer Klinikum dauerte bis Freitag, 7 Uhr, und er wird nicht der letzte bleiben.

hpk (zuerst erschienen bei seemoz)

“Nur wer gegen den Strom schwimmt, hat auch die Chance, die Quelle zu erreichen”

Stadtrat Holger Reile begründete bei der gestrigen Gemeinderatssitzung, warum die Linke Liste Konstanz (LLK) den Antrag der FGL unterstützt und weshalb die LLK die Auseinandersetzung um das Scala mehr ist, als die Frage ob es auch künftig ein Kino an der Markstätte geben wird. Der Fall Scala werfe exemplarisch die Frage auf, wem die Stadt eigentlich gehöre. Es gehe darum, welchen Weg in Konstanz in der Stadtentwicklung eingeschlagen werden soll. Wollen die politischen Funktionsträger die Stadt achselzuckend dem Markt und dem Kommerz überlassen, oder zählen auch soziale und kulturelle Bedürfnisse? Wem gehört die Stadt? Der Beitrag im Wortlaut:

Werte Gäste, Herr Oberbürgermeister, Kolleginnen und Kollegen, auch wenn der Antrag auf Aufstellung eines Bebauungsplans und einer Veränderungssperre wahrscheinlich keine Mehrheit finden wird, wird ihn die Linke Liste dennoch unterstützen.

Ich möchte dazu die Kernpunkte meiner Ausführungen aus dem TUA nochmal kurz zusammenfassen und um einige Aspekte erweitern.

Zuvor aber noch eine Anmerkung in Ihre Richtung, Herr Kollege Heider von der CDU: In der TUA-Sitzung haben sie sinngemäß erklärt, wer sich für eine Veränderungssperre einsetze, könne eventuell dafür persönlich haftbar gemacht werden, wenn Schaden entstünde. Derlei – nennen wir es freundlicherweise Vorsicht -hätten wir uns vor einigen Jahren auch gewünscht, als eine Mehrheit dieses Gremiums mit dem Maultaschenfall und der Causa Müller-Esch sich auf höchst riskante Prozesse eingelassen hat – die uns überregional viel Spott einbrachten und darüber hinaus den Steuerzahler rund eine Million Euro gekostet haben. Mir ist nicht bekannt, dass die damaligen Entscheidungsträger dafür jemals zur Kasse gebeten worden wären. Da wäre also sozusagen noch ein Deckel offen.

Zum aktuellen Thema: Selbstverständlich ist es jammerschade, wenn heute das Scala offiziell zu Grabe getragen werden sollte. Herr Rabe mag den alten Schriftzug gerne ans Cinestar nageln – wieder mal geht ein Stück Konstanz verloren. Ich erinnere mich – der kleine melancholische Ausritt sei erlaubt – noch an meinen ersten Konstanz-Besuch vor exakt 40 Jahren. Mein Weg führte mich in eben dieses Scala, gezeigt wurde damals der Film „Einer flog übers Kuckucksnest“.

Mit dem zu erwartendem Ergebnis heute stehen wir meiner Meinung nach vor einem Scheidepunkt bezüglich der zukünftigen Stadtentwicklung. Selbstverständlich leben wir vom Tourismus und einer funktionierenden Wirtschaft, und das wird auch in Zukunft so sein, aber sie muss im Einklang stehen mit den soziokulturellen Bedürfnissen unserer Bevölkerung. Und da geht die Schere mittlerweile doch weit auseinander. Immer mehr Konstanzerinnen und Konstanzer fühlen sich nicht mehr wohl in ihrer Stadt und fragen sich: Wem gehört sie eigentlich? Den Fielmanns, Müllers, den dm-s, dem hiesigen Einzelhandel, den Einkaufstouristen aus dem benachbarten Ausland? Wie sieht sie aus in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren, wie steht es um die soziale Ausgewogenheit? Und: Haben wir nicht längst die Grenzen der Belastbarkeit erreicht oder sogar überschritten? Wollen wir unsere Kommune weiter ausbeinen lassen und auch noch den letzten Quadratmeter den Meistbietenden auf dem Silbertablett anbieten?

Ist es darüber hinaus ein Zeichen für Lebensqualität, wenn angeblich 400 000 Menschen den Weihnachtsmarkt besuchen – wobei ich mich immer frage, wer die eigentlich zählt – und: sind 100 000 Besucher oder mehr bei einem verkaufsoffenem Sonntag wirklich nur ein Grund zum Jubeln? Wollen wir uns weiterhin damit abfinden, dass die Stadt mittlerweile immer öfter im Verkehr erstickt? Ist das die Vorstellung von einer sozialen und und lebenswerten Stadt? Dazu: Sollte das Gemeinwohl nicht grundsätzlich über gewinnbringenden Partikularinteressen stehen? Das sind nur einige Fragen, die wir uns alle – auch selbstkritisch – stellen und schlußendlich zusammen beantworten müssen.

Dass diese Diskussion in den vergangenen Monaten mit ein Hauptthema war, ist ein Verdienst der Bürgerinitiative „Rettet das Scala“, die mit ihrer Hartnäckigkeit auch überregional auf sich aufmerksam gemacht hat. Dafür gebührt ihr Dank und Anerkennung. Ich hoffe – auch wenn die Abstimmung nicht in ihrem Sinne ausgeht – dass sich diese Initiative weiterhin engagiert und nicht genauso schnell wieder verschwindet wie sie aufgetaucht ist. Denn es gibt nicht nur eine Holschuld, sondern auch eine Bringschuld, wenn man tatsächlich etwas bewegen will. Und Möglichkeiten, Projekte von Anfang an zu begleiten, gibt es. Da ist der Stadtverwaltung kein Vorwurf zu machen.

Bleiben Sie also am Ball, mischen Sie sich ein, gestalten Sie mit. Sie werden dabei auf Widerstände stoßen – ich weiß, wovon ich rede. Aber erinnern Sie sich an die Erkenntnis eines weisen Philosophen, der einmal sinngemäß formuliert hat: Nur wer bisweilen gegen den Strom schwimmt, hat auch die Chance, die Quelle zu erreichen.

Holger Reile

Das Scala hat fertig

Mit einer erstaunlich großen Mehrheit hat es der Konstanzer Gemeinderat gestern abgelehnt, einen Bebauungsplan für die Marktstätte und gleichzeitig eine zweijährige Veränderungssperre zu erlassen. Der entsprechende Antrag der Grünen zielte darauf ab, den Umbau des Scala-Kinos in einen dm-markt zu verzögern oder ganz zu verhindern. Erstaunlich war die Deutlichkeit der Ablehnung, weil es einige “Umfaller” gab, die sich in der letzten Woche noch klar pro Scala positioniert hatten.

“Wer hat uns verraten?” Viele Menschen pflegen seit 100 Jahren auf diese Frage reflexartig mit “Sozialdemokraten” zu antworten. Aber diese Antwort wäre in diesem Falle nicht richtig. Die zahlreichen Zuhörer*innen, die aus Anhänglichkeit ans Scala in die Gemeinderatssitzung gekommen waren, fühlten sich vom Gemeinderat insgesamt eher im Stich gelassen – richtiggehend verraten sahen sie sich nur vom Jungen Forum Konstanz.

Gewiss, die Erwartungen des Publikums, dass über den Antrag der Grünen und eine Veränderungssperre das Scala doch noch zu retten sei, hatten einen erheblichen utopischen Überschuss. Aber bei der Abstimmung im Technischen und Umweltausschuss in der letzten Woche waren die Scala-Retter mit nur zwei Stimmen unterlegen, und so schien es durchaus noch offen, ob heute nicht ein oder zwei Aus- oder Umfaller etwa in der SPD oder der leidenschaftliche Arthouse-Kino-Liebhaber Klaus-Peter Kossmehl (FWK) dafür sorgen würden, dass der Antrag der Grünen doch noch durchgeht.

Eine heftige Klatsche für die Bürgerinitiative

Das vernichtende Abstimmungsergebnis muss für die engagierte Bürgerinitiative “Rettet das Scala” dem Weltuntergang verdächtig nahe gekommen sein. In namentlicher Abstimmung gab es 26 Nein- bei nur 12 Ja-Stimmen und 1 Enthaltung. Die Ja-Stimmen kamen von den Grünen (außer von Peter Müller-Neff, der seinen politischen Wurzeln treu blieb und mit Nein stimmte) sowie der LLK und Zahide Sarikas, die sich damit gegen ihre Partei SPD stellte. Die Enthaltung stammte von Matthias Schäfer (JFK). Alle anderen Gemeinderätinnen und -räte stimmten gegen den Antrag, insbesondere auch die anderen drei JFKler*innen sowie Oberbürgermeister Uli Burchardt.

Im Falle des JFK war die Enttäuschung im Publikum deshalb besonders groß, weil es letzte Woche im TUA noch für den Antrag gesprochen und gestimmt hatte. Thomas Buck begründete den rapiden Sinneswandel des Jungen Forums mit einer plötzlichen Erkenntnis: Er habe sich bisher emotional zum Kino und damit seiner Rettung hingezogen gefühlt und erst dieser Tage realisiert, dass ein Kino ein Gewerbebetrieb sei wie jeder andere auch und daher auch so behandelt werden müsse. Eigentlich sollte solche Ehrlichkeit ja bestraft werden, aber sei’s drum, die Wandlung vom Paulus zum Saulus macht ihm in dieser bewunderungswürdigen Geschwindigkeit kaum jemand nach. Wichtiger wäre eine Antwort auf die Frage, wer ihm wohl zu dieser Wandlung verholfen hat – wirklich nur sein unberechenbarer Gefühlshaushalt? Wir werden es nie erfahren, zumindest so lange sich sein Therapeut weiterhin in Schweigen hüllt.

Als wär’s ein Stück von mir

Ziemlich gut in Form war an diesem frühsommerlichen Nachmittag Holger Reile (LLK), der mit dem Scala ein Stück Konstanz dahinschwinden sieht. Als Reile vor 40 Jahren erstmals nach Konstanz kam (einer im Publikum: “Was? Der ist nicht von hier? Dann soll er das Maul halten!”), führte ihn sein Weg direkt ins Scala, wo er “Einer flog übers Kuckucksnest sah”, und seitdem hängt sein Herz an diesem Kino.

Reile sieht Konstanz derzeit an einem Scheidepunkt, denn die Stadt müsse sich jetzt entscheiden, ob sie nur für Touristen und Käufer da sein und auch noch den letzten Quadratmeter meistbietend an irgendwelche Spekulanten verhökern wolle – oder ob sie auch die sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Bürger zu erfüllen gedenke. “Nur wer gegen den Strom schwimmt,” zitierte er in diesem Zusammenhang Immanuel Kant, “hat überhaupt eine Chance, die Quelle zu erreichen.” [Kritik der reinen Vernunft A407/B434, Widerstreit der Gesetze (Antinomien).]

Er erinnerte auch daran, dass der Gemeinderat nicht immer so zögerlich war wie in Sachen Scala, wo ja insbesondere von Matthias Heider (CDU) massivste Bedenken wegen möglicher Schadensersatzansprüche gegen die Stadt und einzelne Gemeinderäte ins Feld geführt wurden. Als es 2011 darum ging, daran erinnerte Reile genüsslich, den Chefarzt Gert Müller-Esch zur Strafe für einige [wohl nicht unberechtigte] kritische Worte in die Wüste zu jagen, kannte die Gemeinderatsmehrheit kein Zögern – was die Stadt vor dem Arbeitsgericht dann rund eine Million Euro für Abfindungen und Anwälte kostete. Wenn’s um den Rauswurf aufklärerisch gesonnener Geister geht, das wollte Reile wohl dezent andeuten, ist den Bürgerlichen kein Preis zu hoch. Wenn es hingegen um die kulturellen Interessen der Kinofreunde geht, ist ihnen auch das kleinste Risiko zu groß.

Na ja, wer sich wie Reile bei seinem ersten Besuch in Konstanz “Einer flog übers Kuckucksnest” ansah, musste wohl zwangsläufig früher oder später im Gemeinderat landen, der Film macht schließlich was mit einem. Manfred Hölzl (CDU) war vielleicht auch in diesem Film, denn in ihm schlummert sichtlich nicht nur ein Anhänger der Bürgerinitiative, sondern auch ein gestandener Antikapitalist. Er beklagte, dass die Konzerne und Filialriesen alles “auffressen” und die Konstanzer Innenstadt unter deren Druck zunehmend ihre Individualität verliere, etwa ein Sortiment wie das des [bodenständigen Haushaltswaren-Allrounders] Straub gebe es dort ja leider nicht mehr. Allerdings fand er, immerhin ist er ja in der CDU, dass man dagegen nichts tun könne, und wer wisse schon, was überhaupt in 10 Jahren sei. Was in 10 Jahren ist? Herr Hölzl sollte es eigentlich wissen, denn er ist ja in der CDU und die ist bekanntlich mit höheren Mächten im Bunde.

Zum Jagen tragen

Kurz bevor es zum Ende der ausgiebigen Debatte über den Antrag “pro Scala” kam, verschwand Zahide Sarikas aus dem Ratssaal. Klar, Gemeinderätinnen und -räte verschwinden gelegentlich, nicht nur aus Ratssälen, und manche auch für immer. Sie müssen sich die Nase pudern, Snacks nachfassen, den Kaffeeautomaten behelligen oder ihr Horoskop beim Astrologen abholen. Aber sie verschwinden selten so zeitnah vor der Abstimmung des Jahres und bleiben dann so verdächtig lange weg, während die Abstimmung dräut. Es sah für das Publikum einfach so aus, als wolle Frau Sarikas sich vor der Abstimmung drücken, weil die Courage sie verließ.

Am Ende kehrte sie dann doch noch rechtzeitig zurück, und ganz sicher sind die Behauptungen anderer Gemeinderät*innen falsch, “man” habe einen gewissen psychologischen Druck auf sie ausüben müssen, um sie zur freiwilligen Rückkehr und Abstimmung zu bewegen. Mit ihrem Ja fürs Scala machte sie immerhin äußerst mutig das aus Sicht der Verwaltung dreckige Dutzend der Ja-Sager*innen voll, und das werden ihr die Scala-Fans sicher bei der nächsten Wahl danken. Wenn sie’s, die Wähler*innen, bis dahin nicht schon längst vergessen haben.

Schade ist nur, dass Filmemacher Douglas Wolfsperger die gewünschte Drehgenehmigung im Ratssaal nicht erhielt. Seinen Filmklassiker „Probefahrt ins Paradies“ hätte er mit der Verfilmung dieser Ratssitzung locker übertreffen können. Genug schwangere Nonnen mit handpoliertem Heiligenschein sitzen im Gemeinderat schließlich zwölf auf ein Dutzend. Und selbst ein Beffchen für den OB hätte sich in der Hosentasche von Wolfgang Müller-Fehrenbach allemal gefunden.

O. Pugliese (zuerst erschienen bei seemoz)

Warnstreiks im Öffentlichen Dienst: “Den Arbeitgebern beim Nachdenken helfen”

wir sind es wertAm heutigen Donnerstag fanden auch in der Region die ersten Warnstreiks statt, um in der laufenden Tarifrunde den gewerkschaft­lichen Forderungen Nachdruck zu verleihen. In den Krankenhäusern in Tuttlingen, Villingen-Schwenningen und Konstanz traten vornehmlich Krankenschwestern und -pfleger in den Ausstand, am hiesigen Klinikum wurde die Intensivstation ganztägig bestreikt. DIE LINKE unterstützt die Tarifforderungen der Gewerkschaft ver.di für die Beschäftigten beim Bund und in den Kommunen.  Gute öffentliche Dienstleistungen sind unverzichtbar für eine soziale und solidarische Gesellschaft, das zeigt sich gegenwärtig gerade auch in der Flüchtlingsfrage. Deshalb müssen die in staatlichen und kommunalen Einrichtungen beschäftigten Lohnabhängigen auch anständig entlohnt werden.

Die Realität sieht anders aus: Lange stagnierte die Einkommensentwicklung im Öffentlichen Dienst. Dabei leiden viele ArbeiterInnen und Angestellte unter steigender Arbeitshetze, verursacht durch Stellenabbau und zunehmende Aufgaben. Die Forderungen von ver.di sind deshalb mehr als gerechtfertigt: 6 Prozent mehr Einkommen, 100 Euro mehr für Auszubildende und PraktikantInnen, eine verbindliche Übernahme und ein Ende von sachgrundlosen Befristungen sind wahrlich nicht zuviel verlangt.

Die Umsetzung der ver.di-Forderungen würden Bund und Kommunen etwa 6,3 Milliarden Euro kosten. Angesichts eines Überschusses allein des Bundes von rund 12 Milliarden Euro im Jahr 2015 kann nicht behauptet werden, es sei kein Geld da. Gleichzeitig verzichtet der Staat darauf, Spitzenverdiener und Superreiche angemessen zu besteuern, ganz zu Schweigen von fehlenden Maßnahmen gegen Steuerhinterziehung. Klar ist aber auch, dass es bei nicht wenigen Kommunen große Löcher in den Haushalten gibt. Hier steht der Bund in der Pflicht endlich Gesetzesinitiativen auf dem Weg zu bringen, die eine auskömmliche Finanzierung aller Kommunen sicherstellt.

Angesichts der Kassenlage muss das erste Angebot der Dienstherren als Provokation bezeichnet werden. Ganze 0,6 Prozent Einkommenssteigerung will man den Beschäftigten in diesem Jahr zugestehen, auch 2017 soll es nur magere 1,2 Prozent mehr geben. Dazu wollen die Arbeitgeber noch die Eigenbeiträge der Beschäftigten zur betrieblichen Zusatzversorgung in Stufen um bis zu 0,4 Prozent erhöhen. Trotz der Haushaltsüberschüsse muten die Dienstherren den Lohnabhängigen also wieder mal Reallohnverluste zu. Nicht nur deshalb sind die Warnstreiks mehr als gerechtfertigt.

Michael Schlecht, baden-württembergischer Bundestagsabgeordneter und wirtschaftspolitischer Sprecher der LINKE-Bundestagsfraktion, erklärte dazu, man müsse jetzt “den Arbeitgebern beim Nachdenken helfen”. Deshalb könne er den Beschäftigten nur empfehlen: “Beteiligt euch massenhaft an den Warnstreiks!” – jüg

Das Schicksal des Scalas entscheidet sich am Donnerstag

Zu einem runden Tisch in Sachen Scala trafen sich am gestrigen Dienstag noch einmal die Hauptakteure des immer wieder spannenden Kino-Dramas. Wer Wunder erwartet hatte, wurde enttäuscht: Alle Seiten blieben bei ihren Positionen. Also entscheidet der Gemeinderat am Donnerstag darüber, ob das Scala noch eine Chance bekommt, und es sieht ganz so aus, als könne diese Entscheidung äußerst knapp ausfallen.

Lokalpolitik ist für die Hauptakteure oft ziemlich anstrengend – und gelegentlich, wenn die Emotionen hochkochen, auch menschlich belastend. Für den Betrachter hingegen kann sie durchaus spannend sein, wie die Diskussionen um die Schließung (oder den Umzug) des Konstanzer Scalas beweisen: Man weiß oft nicht mehr, ob das noch große Tragödie oder schon lumpige Farce ist. Aber immerhin, Unterhaltungswert für das Publikum hat’s allemal.

Die Hauptbeteiligten trafen jetzt zu einem letzten Meinungsaustausch vor der endgültigen Entscheidung des Gemeinderates zusammen: Die Verwaltung, die Bürgerinitiative “Rettet das Scala”, der an der Fortführung des Scalas interessierte schwäbische Kinobetreiber Heinz Lochmann sowie Immobilienbetreiber Wulf Wössner, dm-markt-Regionsverantwortlicher Christian Harms und der Konstanzer Kinoinhaber Hans-Detlef Rabe.

Das Ergebnis ist überschaubar: Alle Beteiligten bleiben bei ihrem sattsam bekannten Standpunkt. Oberbürgermeister Uli Burchardt geht davon aus, dass der Gemeinderat am Donnerstag die von der FGL beantragte Veränderungssperre ablehnt, so dass die Verwaltung recht bald den Umbau des Scalas an der Marktstätte in einen dm-markt genehmigen kann. Sollte das so kommen, versprach der Oberbürgermeister, wollen sich alle Beteiligten aber wiedertreffen, um dann nach einer Kino-Lösung an einem ganz anderen Ort zu suchen.

Bürgerinitiative will weitermachen

Für die Bürgerinitiative erklärte deren Sprecher Lutz Rauschnick, dass man am Donnerstag im Gemeinderat durchaus Chancen für eine knappe Mehrheit pro Veränderungssperre und Bebauungsplan sehe. Er zeigte sich beeindruckt, wie sehr die rund 6.000 Konstanzerinnen und Konstanzer aus allen Schichten, die für seine Bürgerinitiative unterschrieben haben, an ihrem Kino hängen.

Aber auch, wenn es diese Mehrheit nicht gibt und das Scala an diesem Standort schließt, will sich die Initiative nicht auflösen, sondern künftig die Stadtentwicklung in Konstanz kritisch begleiten, weil es vielen Aktiven um mehr als nur das Scala gehe. Man darf gespannt sein, ob sich die Bürgerinitiative “Rettet das Scala” tatsächlich vom One-Hit-Wonder zu einer stabilen Bewegung politisch aktiver Bürger entwickelt.

Ziemlich emotional wurde der wortgewaltige Kinobetreiber Heinz Lochmann, der ja bereit ist, das Scala als Programmkino weiterzuführen. Er sieht sein Projekt nicht als Konkurrenz zu Rabes CineStar im Lago, das für den Mainstream und das breite Publikum zuständig sei. Für ihn zeigt die Debatte um das Scala vielmehr, dass es hier um weit mehr als Kino geht: Um Heimat und um Menschen nämlich. Er sehe gute Chancen, das Scala wirtschaftlich solide weiterzubetreiben, denn er wolle in Konstanz zwar gern investieren, aber ganz sicher kein Geld verlieren.

Kein Kino mehr an der Marktstätte

Immobilienentwickler Wulf Wössner, der das Scala-Anwesen Marktstätte 22 auf 30 Jahre von einer Eigentümergemeinschaft gepachtet hat, erklärte, dass er auf jeden Fall vor Gericht ziehen wird, wenn der Gemeinderat am Donnerstag eine Veränderungssperre beschließt. Aus seiner Sicht und aus der des Konstanzer Kinobesitzers Hans-Detlef Rabe wird das Scala auch gar nicht geschlossen, sondern zieht einfach nur ins CineStar im Lago um (wo es mit allerdings nur einer Leinwand sein Angebot sehr verringern muss). Laut Wössner gibt es drei Verträge, die jede mögliche Nutzung des Gebäudes an der Marktstätte als Kino ausschließen: 1. den Vertrag mit den Eigentümern der Liegenschaft, 2. den Vertrag mit dem dm-markt und 3. den Vertrag mit Kinounternehmer Hans-Detlef Rabe, der vorsieht, dass in das Gebäude an der Marktstätte für 30 Jahre kein Kino mehr kommen darf. Laut Rabe ist das eine durchaus übliche Vertragsklausel, die seinem (arg geschrumpften) Scala im Lago unliebsame Konkurrenz vom Leibe halten soll. An all diese Verträge wollen sich Wössner und seine Vertragspartner unbedingt halten.

dm nicht contra Scala

Vor allem, so Christian Harms von dm, sei es falsch zu behaupten, dass sein Unternehmen das Scala verdränge. Es sei vielmehr so gewesen, dass Scala-Besitzer Hans-Detlef Rabe aus seinem Pachtvertrag für das Scala ausgestiegen sei. Erst danach sei dann der Kontakt zum dm-markt als künftigem Pächter entstanden. Und wenn 6.000 Konstanzerinnen und Konstanzer den neuen dm aus Protest boykottieren sollten, sehe er in den anderen 74.000 immer noch genügend Käuferpotenzial.

Das zebra Kino als Alternative?

Ein Vertreter des zebra-Kinos erklärte, dass das zebra das Ende des Scalas und den damit verbundenen Verlust von drei Leinwänden bedauern würde. Die bisherige Dreiteilung, CineStar für den Mainstream, Scala für Arthouse-Filme und zebra für die extremeren Sachen, habe sich sehr bewährt. Das zebra will allerdings die Lücke, die das Scala-Ende reißen würde, nicht füllen. Es sei ein Verein, der vor allem mit Ehrenamtlichen arbeitet, und könne mangels Personals seinen Spielplan nicht einfach auf den Nachmittag und bisher spielfreie Tage ausdehnen. Außerdem klang an, dass die zebra-Macherinnen und -Macher an einem Programm wie im Scala auch inhaltlich wenig Geschmack finden dürften, da ihnen das schlichtweg zu kommerziell wäre.

Haben sich alle wieder lieb?

Auf allen Seiten lagen die Nerven in den letzten Wochen oft ziemlich blank. Die Bürgerinitiative fühlte sich zu wenig beachtet und einbezogen, Herr Wössner mag sich mit der ihm zugedachten Rolle des kaltschnäuzigen Immobilienhais und eingeschworenen Kulturfeindes nicht anfreunden, und Oberbürgermeister Uli Burchardt dürfte froh sein, wenn das alles vorbei ist und er sich wieder konzentriert den wirklich großen Aufgaben in der Stadt widmen kann wie Flüchtlingen, Wohnungsbau und beim Unternehmerfrühstück anderen ein paar Schnittchen wegzumampfen. Er nutzte sein Schlusswort geschickt zu einem “Werbeblock” für seine Politik. Er verwies auf seine Anstrengungen in Sachen nachhaltiger Stadtentwicklung wie zum Beispiel im Rahmen des Projekts “Zukunftsstadt Konstanz” und lud alle, die sich jetzt so vehement für die Zukunft von Konstanz interessieren, zur Teilnahme an diesem Projekt ein. Nicht schlecht gemacht: 1:0 für Uli Burchardt in der 90. Minute.

Am Donnerstag gibt es ab 16 Uhr im Ratssaal die für das Scala entscheidende Sitzung des Gemeinderates: Wird ein Bebauungsplan aufgestellt und eine Veränderungssperre für das Gebiet nördliche Marktstätte verhängt, so dass das Scala noch eine kleine Chance bekommt? Werden die Bürgerlichen obsiegen, die für den ungehinderten Gebrauch des Privateigentums einstehen? Werden die Ängstlichen die Oberhand behalten, die erhebliche Schadensersatzforderungen befürchten, wenn man Wössner und dm nicht gewähren lässt? Wer einen der bequemen Zuhörerplätze ergattern will, sollte jedenfalls früh kommen, denn es dürfte voll werden wie bei einer Witwenverbrennung.

O. Pugliese (zuerst erschienen bei seemoz.de)

“Wollen wir weiterhin zusehen, wie sich die Stadt dem totalen Kommerz verschreibt?”

Der TUA hat am letzten Donnerstag mit knapper Mehrheit den Antrag der FGL abgelehnt, einen Bebauungsplan und eine Veränderungs­sperre für die Marktstätte auf den Weg zu bringen und damit die Schließung des Scala-Kinos noch abzuwenden. Die Stadtverwaltung sprach sich vehement gegen ein solches Vorgehen aus, das juristische Risiko sei zu groß. Die Linke Liste unterstützte dagegen den Antrag, der sich die Argumente der Bürgerinitiative “Rettet das Scala”  für den Erhalt des beliebten Programmkinos zu eigen gemacht hatte. Die Initiative hat inzwischen auch einen namhaften Kinounternehmer gefunden, der Interesse an einer Weiterführung des Filmtheaters signalisiert hat.  Holger Reile begründete in seinem Redebeitrag im Ausschuss die Position der LLK in Sachen Scala. – red


Holger ReileWir von der Linken Liste unterstützen den vorliegenden Antrag der FGL. Aufgrund der Diskussion um den Erhalt des Scala-Kinos, einer Diskussion, die mittlerweile weit über die Stadtgrenzen hinaus geht, muss der Bürgerinitiative die Möglichkeit gegeben werden, ihre Pläne zu konkretisieren. Vor allem auch deswegen, weil nun offensichtlich ein Investor auf den Plan getreten ist, dessen Vorstellungen über den Fortbestand des Kinos gehört und auch auf ihre Realisierungsmöglichkeiten geprüft werden sollten. So gesehen ist es für uns völlig klar, dass man diesem Schritt, der auch viel zu tun hat mit einer zukünftigen und vor allem sozial-verträglichen Stadtgestaltung, noch etwas Zeit einräumt. Das sollte uns die Sache, das muss uns die Sache wert sein.

Die aktuellen Irritationen, sprich nonverbale Kommunikation zwischen Initiative und Verwaltungsspitze, hätte man sich auch sparen können. Nachdem im vergangenen April klar war, dass das Scala auf der Kippe steht, wäre es wünschenswert gewesen, dass die Stadt sofort Kontakt mit allen Beteiligten aufnimmt und eventuell überlegt, ob sie nicht als Generalmieterin oder sogar Käuferin hätte auftreten können für ein sozio-kulturelles Zentrum im Herzen der Stadt. Denn dafür bietet das Gebäude allerlei Möglichkeiten, die man anderswo in der Stadtmitte wohl nicht mehr finden wird.

Was aber ist passiert? Nicht viel. Auch als sich die Initiative „Rettet das Scala“ bemerkbar gemacht hat, war man im Rathaus der irrigen Meinung, dieser vermeintliche Zwergenaufstand würde sich wohl schnell wieder legen. Tat er aber nicht und das ist auch gut so. Zu hören war bislang von der Verwaltungsspitze lediglich, dass man das Ende des Scala irgendwie bedauerlich finde, aber an der Sachlage sich wohl nichts mehr ändern ließe. Ich erinnere mich noch gut an die Aussage des Oberbürgermeisters, der sinngemäß erklärt hat, ein neuer dm-Markt sei doch auch was Schönes.

Derselbe hat während seines OB-Wahlkampfes das Prinzip der sogenannten Nachhaltigkeit vor sich hergetragen wie ein Känguru seinen Bauchbeutel. Davon ist nicht mehr viel übrig und so bleibt es eben einer engagierten Bürgerschaft vorbehalten, einer unheilvollen Stadt-Entwicklung entgegen zu treten. Dafür gebührt dieser Initiative schon mal grundsätzlich Dank für ihre Hartnäckigkeit, egal, wie die Geschichte auch ausgehen wird. Denn sie hat auch das übernommen, was eigentlich die Aufgabe der Verwaltung hätte sein können, ja müssen.

Ich hatte heute Vormittag das fragwürdige Vergnügen, dem sogenannten Unternehmerfrühstück – organisiert vom Stadtmarketing – im Konzil beizuwohnen. Was ich da zwischen Lachsbrötchen und Weißwürsten – vorgetragen von einem sogenannten Motivationscoach unter anderem hören musste, geht zusammengefasst ganz klar in eine Richtung: Die Stadt – so Marketingchef Thiel – müsse, Zitat: „Noch mehr Einnahmen erwirtschaften“. Zitat Ende. Will heißen: Wir bieten sie Investoren auf dem Silbertablett an und quetschen sie aus wie eine Zitrone, bis auf den letzten Tropfen.

Noch eine Bemerkung zu der Befürchtung, die Stadt würde sich einem juristischen Risiko aussetzen, wenn sie einer auch kurzfristigen Veränderungssperre zustimmen würde. Derlei Bedenken, Kolleginnen und Kollegen, hätte ich mir vor Jahren auch gewünscht, als es um den Maultaschenfall und die Kündigung von Müller-Esch gegangen ist. Diese juristischen Scharmützel ohne allzu große Not haben die Stadt und letztendlich die Steuerzahler rund eine Million Euro gekostet. Riskante Prozesse allesamt, die man besser nicht geführt hätte.

Bei dem durchaus ebenfalls vorhandenen Risiko Scala handelt es sich aber um grundsätzliche und übergeordnete Fragen, die sich großen Teilen der Bürgerschaft zunehmend stellen. Als da wären: Wollen wir weiterhin tatenlos zusehen, fragen sich viele besorgt, wie sich die Innenstadt dem totalen Kommerz verschreibt und die Bedürfnisse der Bevölkerung rein gar nichts mehr zählen? Brauchen wir den fünften dm, den vierten Fielmann, den dritten Müller? Haben die Erfolgsmeldungen des hiesigen Einzelhandels nach einem verkaufsoffenen Sonntag mit 100 000 Besuchern und mehr noch irgendwas mit Lebensqualität zu tun? Wollen wir es weiterhin achselzuckend und demütig hinnehmen, wenn spätestens ab Freitag die Stadt in Blech und Gestank versinkt und einkaufswütige Horden in fast schon alttestamentarischer Heuschrecken-Manier über die Gemarkung herfallen? Und: Ist das unsere Vorstellung von einer sozialen und schlußendlich lebenswerten Stadt?

Alles Fragen, die die Debatte um das Scala mit aufgeworfen hat und auf die wir Antworten finden müssen. Mit ein Grund also, dass wir diesem Bemühen der Initiative noch etwas Zeit geben möchten, verbunden mit der Hoffnung, dass sich die betreffenden Parteien an einem Tisch – ob er nun rund oder eckig sei – vielleicht doch noch konstruktiv miteinander verständigen.

Ein Wort noch zu Herrn Wössner, respektive seiner Firma TWL. Er hat in seiner öffentlichen Darstellung behauptet, das Gebäude Marktstätte 22 sei ab Anfang Januar 2017 „aufgrund bestehender vertraglicher Regelung“ leer und er würde dann umgehend mit dem Umbau beginnen. Uns aber liegt seit heute Mittag ein Schreiben des Anwalts der Boutique-Betreiberin vor, aus dem hervorgeht, dass sie einen gültigen Mietvertrag bis Ende März 2017 hat und auch nicht beabsichtigt, diesen vorzeitig aufzulösen. Herr Wössner scheint offenbar unter Druck zu stehen, das berechtigt ihn aber nicht, falsche Behauptungen aufzustellen und die Diskussion in fast schon manipulativer Weise zu beeinflussen.


Hunderte demonstrieren in Singen gegen die ECE-Shoppingmall

Demo-Singen-1Mehr als 250 Menschen protestierten am vergangenen Donnerstag in Singen gegen das geplante neue Einkaufszentrum in der Innenstadt. Nach einer Kundgebung der Bügerinitiative „Für Singen“, bei der unter anderem Markus Klemt vom Landes­fach­bereich Handel der Gewerkschaft ver.di sprach, formierte sich ein Demon­strations­zug um das Areal, auf dem der völlig überdimensionierte Konsumtempel entstehen soll. Forciert wird das Projekt vom Marktführer ECE, einem zum Otto-Konzern gehörenden Großimmobilien-Entwickler aus Hamburg.

Unter den TeilnehmerInnen waren viele Beschäftigte, Inhaber und Geschäftsführer von Einzelhandelbetrieben in der Innenstadt. ECE ist darauf spezialisiert, lohnende Einzelhandelsstandorte für sogenannte Shopping Malls zu erschließen. Bestehende Betriebe, die der Großkonkurrenz nicht gewachsen sind, bleiben dabei häufig auf der Strecke, Betriebsschließungen und Personalabbau sind die Folge.

Der Gewerkschafter Klemt wies in seinem Redebeitrag darauf hin, dass der durch zunehmenden Konkurrenzdruck verursachte Trend zu drastischen Flächenausweitungen auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen wird. Während im traditionelle Fachhandel häufig Tarifverträge bestehen und Personal sozialversicherungsflichtig beschäftig wird, setzen Billigketten auf eine wesentlich härtere Strategie zur Optimierung der eigenen Betriebsergebnisse auf Kosten des Personals.

In Singen wird in nicht wenigen Einzelhandelsbetriebe der Innenstadt noch nach Tarif bezahlt, teilweise gibt es auch Betriebsräte, wie bei Karstadt, Mode-Zinser oder Heikorn. Daneben haben sich natürlich auch schon Einzelhandelsbetriebe mit fast ausschließlich auf Abruf bereitstehenden Minijobbern und prekär Beschäftigten etabliert – das Geschäftsmodell, auf das ECE in großem Stil setzt. Markus Klemt macht sich deshalb “große Sorgen um die Arbeitsplätze”, er warnte vor einem Wettbewerb auf dem Rücken der Beschäftigten.

Der Gewerkschafter unterstrich auch, dass die miserablen Arbeitsbedingungen in den asiatischen oder lateinamerikanischen Produktionsstätten der bei uns als Schnäppchen verkauften Billigware für die Zukunft des Einzelhandels nichts Gutes versprechen. Einkaufszentren wie das geplante ECE in Singen sind nur auf Basis dieses menschenverachtenden Geschäftsmodells möglich. Hierzulande mündet es in Billigjobs und Altersarmut, so seine Warnung.

Transparente wie „Für bezahlbaren Wohnraum – gegen einen Centerkoloss“ brachten bei der Demonstration einen weiteren Kritikpunkt der ECE-GegnerInnen zum Ausdruck: Auch die Stadt am Hohentwiel ächzt inzwischen unter der Wohnungsnot. Die Realisierung des ECE-Projekts würde eine komplette Straße und ein über 10 000 Quadratmeter großes Gebiet dem privaten Investor opfern und fast 50 Wohnungen ersatzlos vernichten. Die Bürgerinitiative lehnt den Verkauf großer, der Stadt gehörenden Flächen, ab und verlangt eine Verkleinerung, mindestens eine Halbierung des Centers. Sie tritt stattdessen für die Schaffung bezahlbaren Wohnraums auf dem Areal ein.

Die vom Hamburger Investor angepeilte Zahl von 80 neuen Geschäfte und Gaststätten sind für eine Stadt wie Singen mit ihren rund 45 000 Einwohnern einfach zu viel, darauf wies Regina Henke hin, die Sprecherin der BI. Der Einkaufskoloss werde die Stadt „total verändern“. Die gesamte Fußgängerzone würde dafür dem Konsumtempel geopfert – in Städten wie Hameln oder Wetzlar bereits Realität. Und ginge das ECE-Geschäftsmodell nicht auf, wäre die Stadt mit einer riesigen Einkaufsruine belastet, wie im nahen Schwenningen zu besichtigen ist.

Oberbürgermeister und Projektbefürworter Bernd Häusler hat auf den zunehmenden Druck aus der Bürgerschaft mit der Ankündigung reagiert, er werde dem Gemeinderat einen Bürgerentscheid empfehlen, wohl wissend, dass dafür im Gemeinderat eine Zweidrittelmehrheit erforderlich ist. Die gilt keinesfalls als sicher, die ECE-Emissäre haben ganze Vorarbeit geleistet und große Teile der kommunalen Entscheidungsträger auf ihre Seite gezogen. Die Bürgerinitiative „Für Singen“ will sich darauf deshalb nicht verlassen und bereitet nun selbst einen Bügerentscheid über das Mammutprojekt vor.

Es bleibt also spannend in Singen. Die BI jedenfalls will den Druck auf die Stadt aufrechterhalten und kündigte prompt weitere Aktionen an. Schon am 28.4. soll es um 19 Uhr am Hanser-Brunnen erneut eine Kundgebung und Demonstration geben.

pm/jüg

“Rettet das Scala” scheitert in 1. Runde

Die Sitzung des Technischen und Umweltausschusses (TUA) am 14.4. fand ungewöhnlich großen Publikumszuspruch, denn es ging um die geplante Schließung des Scala-Kinos, die die Gemüter in Konstanz derzeit erregt wie keine Kinoschließung zuvor. Der TUA lehnte nach eingehender Debatte den Antrag der Grünen ab, einen Bebauungsplan für die Marktstätte in Angriff zu nehmen und eine zweijährige Veränderungssperre zu erlassen. Die endgültige Entscheidung fällt aber erst nächste Woche im Gemeinderat.

“Damit der Platz und die angrenzenden Gebäude nicht zu einer reinen Kommerzmeile verkommen, müssen die Anforderungen der Bevölkerung, was Aufenthaltsqualität, Begegnungsmöglichkeiten, kulturelles Angebot und städtebauliche Qualität betrifft, besser berücksichtigt werden. Die Stadt kann nur über einen qualifizierten Bebauungsplan dafür Sorge tragen, dass Nutzungen einzelner Gebäude oder Geschosse zum Wohl der Bevölkerung nachhaltig festgelegt werden, und so die Gestaltungshoheit für das Zentrum der Innenstadt im Sinne einer positiven und zukunftsfähigen gesamtstädtischen Entwicklung sichern.” Dies ist die Begründung des Antrags der Grünen, die sich damit zum Sprachrohr der rührigen Bürgerinitiative “Rettet das Scala” machten. Gut gebrüllt, Löwe.

Wäre der Antrag angenommen worden, hätte die Stadt für die Zeit, in der sie den Bebauungsplan erarbeitet, für das Areal Marktstätte eine Veränderungssperre erlassen können. Das hätte die Umwandlung des Scalas in einen Drogeriemarkt vorläufig verhindert. Das hätte allerdings nicht verhindert, dass der hiesige Kinounternehmer das Scala schließt, denn auch die Stadt kann niemanden zwingen, ein Unternehmen fortzuführen. Aber die Bürgerinitiative hat gerade einen anderen Kinobetreiber ausfindig gemacht, der bereit ist, das Scala als Programmkino weiterzuführen und erhebliche Mittel zu investieren.

Die Logik dahinter: Die Stadt verhindert mit planungsrechtlichen Mitteln für mindestens zwei Jahre, dass das Scala umgebaut wird. Der Immobilienbetreiber wäre somit gezwungen, das Kino entweder leer stehen zu lassen und massiv Geld zu verlieren – oder mit einem anderen Betreiber einen Vertrag abzuschließen. Und diesen Betreiber liefern wir ihm jetzt. Ist Politik wirklich so einfach?

Keine Verhinderungsplanung

Der zentrale Punkt ist aber, und hierin sind sich die Rechtsgelehrten aller Seiten einig, dass die Stadt nicht gegen ein einzelnes Projekt wie den geplanten Drogeriemarkt gezielt vorgehen kann, sondern nur ein komplettes Gebiet mit planungsrechtlichen Maßnahmen steuern und eventuell zeitweise gegen Veränderungen sperren darf. Sonst gerät sie juristisch in Teufels Küche und sieht sich erheblichen Entschädigungsansprüchen etwa des Immobilienbesitzers gegenüber, die in die Millionen gehen können. Der Plan, jetzt Hals über Kopf einen Bebauungsplan anzugehen, ohne dass zuvor nennenswerte städteplanerische Missstände beklagt worden wären, hat natürlich ein Geschmäckle, er riecht nach einer Lex Scala. Diese Klippe galt es also zu umschiffen.

Gisela Kusche (FGL) nannte als Ziel der geforderten Überplanung der gesamten Marktstätte einen gesunden Mix aus Einzelhandel, Begegnung und Kultur. Der zentrale Platz der Stadt sei nicht nur für Konsum da, sondern für alle. Das Scala ist für sie nicht nur ein beliebiger Gewerbebetrieb, sondern ein wichtiges Stück Kultur, das abends die Marktstätte belebe. Und die Auslastung von 15 Prozent sei für ein Kino sogar ein recht guter Schnitt und kein Zeichen für mangelnden Zuspruch. Hand aufs Herz: Als Kusche forderte, die gesamte Innenstadt zu sichern, rieb sich der Zuhörer verblüfft die Ohren. Konkret hatte sie ausschließlich das Scala erwähnt, andere praktische Ziele des Bebauungsplanes nannte sie nicht. Das große Ganze geriet ihr eher zum Mäntelchen für eine Lex Scala, nach der das Volk vielzüngig schreit.

Gegen den Totalkommerz

Der Verwaltung wiederum hatte Holger Reile (LLK) einiges vorzuwerfen. Vor allem störte ihn, dass die Stadtverwaltung nicht sofort, als sie vor einem Jahr vom möglichen Ende des Scalas erfuhr, Kontakt zu allen Beteiligten aufnahm. Außerdem hätte die Stadt, so Reile, auch darüber nachdenken müssen, das Gebäude an der Marktstätte 22 ihrerseits zu erwerben und dort ein sozio-kulturelles Zentrum im Herzen der Stadt zu gründen. Er dachte dabei wohl an ein Gebäude, in dem Flüchtlingsinitiativen, Café Mondial und viele andere soziale und karitative Einrichtungen und Beratungsstellen ein Heim fänden. Reile hatte am Morgen zudem ein Unternehmerfrühstück besucht, das ihm trotz seiner geliebten Weißwürstchen sauer aufstieß: Dort sei gefordert worden, die Stadt den Investoren auf dem Silbertablett auszuliefern, auf dass diese sie wie eine Zitrone auspressen könnten. Einer solchen Politik der Kommerzialisierung städtischen Lebensraumes erteilte er eine klare Absage. (Seinen Redebeitrag veröffentlichen wir in Kürze.)

Braucht Konstanz das Scala?

Die Gegner des FGL-Antrages führte Matthias Heider (CDU) an. Für ihn ist das kulturelle Angebot der Stadt gut, zumal ein Teil des bisherigen Scala-Programms künftig im Cinestar laufen soll. Außerdem gebe es noch das Zebra-Kino, das die Stadt jährlich mit 25 000 Euro unterstütze, und wer das Scala fortführen wolle, könne dies auch an anderer Stelle tun. Für ihn ist die Marktstätte ein Kerngebiet, in dem Einzelhandel gewollt ist, und außerdem sei die Nutzung des Anwesens Marktstätte 22 Sache privater Verträge. Wenn der Immobilieninhaber mit einem Kinobetreiber einen Vertrag abschließen wolle, könne er das jederzeit tun, die Stadt solle sich da jedenfalls raushalten. Man kennt das seit Jahrtausenden: Die Christen kennen nur einen Gott, das Privateigentum nämlich.

Prof. Dr. Mathias Preussner, der im Auftrag der Stadt ein Rechtsgutachten geliefert hat, und Bürgermeister Bürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn wiesen noch mal auf ihre juristische Sicht der Dinge hin und versicherten ihre Neutralität. Denkwürdig ist der Satz Preussners “Kulturpolitik lässt sich nicht über das Baurecht betreiben”. Er versicherte, er habe auch nach juristischen Handhaben für die Rettung des Scalas gesucht, allein, er habe keine gefunden. Eine rechtliche Handhabe, Kultur zu erhalten, sei vielleicht in Bayreuth rund um das Festspielhaus gegeben, nicht aber auf der Konstanzer Marktstätte.

Ergebnis – 5:7:1

Die (namentliche) Abstimmung im Ausschuss fiel beinahe wie zu erwarten aus: Für Bebauungsplan plus Veränderungssperre und damit die vermeintliche “Rettung” des Scalas stimmten fünf Rätinnen und Räte: Gisela Kusche, Anne Mühlhäußer, Peter Müller-Neff (alle FGL) sowie die Vertreter von LLK und JFK. Die anderen sieben von CDU, FWK sowie Jürgen Ruff von der SPD stimmten dagegen, allein Zahide Sarikas (SPD) enthielt sich. Der Antrag war damit abgelehnt.

Aber das letzte Wort ist noch lange nicht gesprochen.

O. Pugliese (zuerst erschienen bei seemoz.de)

Spitalstiftung: Ein Bauernopfer reicht nicht

rathDie Spitalstiftung Konstanz und Ingeborg Rath haben sich „einvernehmlich“ darauf geeinigt, deren Arbeitsverhältnis als Leiterin der Stiftungsverwaltung zu beenden, am vergangenen Montag stimmte der Gemeinderat im Rahmen einer Sondersitzung dieser Trennung zu. Die Stiftungschefin war offenbar unhaltbar geworden, nachdem Klagen über ihren Führungsstil nicht nur unter Beschäftigten unüberhörbar geworden waren. Diese Kündigung findet die Zustimmung der LLK, nach unseren Informationen pflegte Frau Rath einen äußerst autoritären Führungsstil, der für unzumutbare Arbeitsbedingungen gesorgt hat.

Uns drängt sich jedoch der Eindruck auf, dass das sehr schnelle Agieren der Stadt­spitze auch von eigenen Verantwortlichkeiten ablenken soll. Der Kern des Problems ist nicht das fraglos inakzeptable Gebaren Raths, sondern die neoliberale Ausrichtung der Spitalstiftung. Entgegen ihrem sozialen Auftrag wird diese wichtige Einrichtung wie ein gewöhnliches Wirtschaftsunternehmen geführt.

Die LLK hat seit langem und immer wieder auf die schlechten Arbeitsbedingungen in den städtischen Pflegeheimen hingewiesen. Doch statt endlich durch eine deutlich bessere, übertarifliche Bezahlung und weitere Anreize für Abhilfe zu sorgen, mauern Stiftung und Stadtverwaltung beharrlich. Der Ruf der Einrichtung ist entsprechend schlecht – nicht verwunderlich, dass viele qualifizierte Beschäftigte sich diese Tretmühle nicht antun wollen. Wenn sich beispielsweise eine Pflegekraft allein um bis zu zehn schwerkranke Patienten kümmern muss, wie uns zu Ohren gekommen ist, wirft das ein Schlaglicht auf unglaubliche Zustände. Berichte über eine als schier unerträglich empfundene Arbeitssituation vieler Beschäftigter, die auch das Patientenwohl gefährdet, dringen zwar nur spärlich nach außen, das hat aber wohl vor allem mit einer Maulkorbpolitik der Leitung zu tun. Damit muss nun endlich Schluss sein!

Angesichts der inakzeptablen Situation reicht ein Bauernopfer nicht aus. Den Beschäftigten und auch den Gepflegten nützt es nichts, wenn lediglich die Führungsspitze ausgetauscht wird, ansonsten aber alles beim Alten bleibt. Wir fordern Nägel mit Köpfen: Die Einkommens- und Arbeitsbedingungen der Beschäftigten müssen sofort spürbar verbessert werden, die Stiftung muss sich wieder auf ihren eigentlichen Auftrag besinnen – die Pflege alter und hilfebedürftiger Menschen und zwar unabhängig von ihren Einkommen. Auch wenn das Grundproblem darin besteht, dass die gesetzliche Pflegeversicherung die Kosten für die Pflegeleistungen bei weitem nicht ausreichend abdeckt: Das Millionenvermögen der Spitalstiftung muss unserer Meinung nach für eine leistungsgerechte Bezahlung und mehr qualifizierte Stellen eingesetzt werden – zum Wohle von Beschäftigten und Pflegeheim-BewohnerInnen.

Anke Schwede, Holger Reile
Linke Liste Konstanz (LLK)

Sowas kommt von sowas

C3-Studiwohnheim-CherisyKeine Frage, der private Betreiber des neuen Studierendenwohnheims C3 auf dem Chérisy-Areal reizt alle Möglichkeiten aus, die der Gesetzgeber privaten Geschäftemachern mit der Wohnungsnot bietet. Nicht nur, dass er sündhaft teure Mieten ab 430 Euro aufwärts monatlich kassieren und auch in anderen Bereichen den BewohnerInnen tief in die Tasche greifen will. Vorgesehen ist auch ein mehr als fragwürdiges Überwachungssystem, das den AStA der Universität zu Recht an Orwellsche Verhältnisse erinnert.

Ob die C3-Besitzer dabei in verschiedenen Punkten über die gesetzlich zugelassene Abkassiererei und Gängelung hinausgegangen sind, muss selbstverständlich geklärt werden. Der Mieterbund hat auf verschiedene Passagen in den Verträgen hingewiesen, die das durchaus nahelegen. Die Linke Liste Konstanz verlangt von der Stadtverwaltung, dass sie sich umgehend und umfassend juristisch informiert und, sollten Gesetzesverstöße vorliegen, sofort die nötigen Schritte dagegen einleitet. Wir werden zu diesem Thema auf der kommenden Gemeinderatssitzung jedenfalls unbequeme Fragen stellen und Konsequenzen fordern.

Der eigentliche Skandal aber ist, dass Verwaltung und Gemeinderatsmehrheit dieses Projekt, gegen den entschiedenen Widerstand der Linken Liste übrigens, überhaupt erst möglich gemacht haben. Wohl wissend um die in der Stadt herrschende Wohnungsnot, die nicht zuletzt Studierenden zu schaffen macht; hat man unverdrossen wieder einmal auf private Investoren und damit auf die Geldgier gesetzt – und das auf einem Feld, das zum Kernbestand der öffentlichen Daseinsvorsorge gehört. Wer will den Verantwortlichen im Rathaus und den Fraktionsbüros denn eigentlich glauben, dass sie nicht genau gewußt haben, warum Anleger insbesondere in Unistädten die Investition in solche Objekte als neue Goldgrube entdeckt haben.

Als besonders dreist ist zu bewerten, dass noch wenige Tage, bevor der AStA wegen der Mietverhältnisse Alarm geschlagen hat, städtische und universitäre Prominenz gemeinsam mit den Betreibern das fragwürdige Abkassiermodell in den höchsten Tönen gelobt haben. Die Verantwortungsträger feierten damit ein Modell ab, das exorbitant teure Wohnungen als Beitrag zur Linderung des Wohnungsmangels verkauft. Im Ergebnis setzen solche Projekte allenfalls Maßstäbe dafür, was beim Ausquetschen der Betroffenen nach oben alles möglich ist.

Die Linke Liste fordert, dass mit dieser fragwürdigen und unsozialen Stadtentwicklungspolitik endlich Schluss sein muss. Wer die Wohnungsnot bekämpfen will, hat den Wohnungsbau, besonders auch für Studierende, dem Markt zu entziehen. Wir brauchen in dieser Stadt endlich eine sozialpolitische Offensive, die Wohnraum, auch und besonders für Studierende, mit öffentlichen Mitteln im unteren Preissegment schafft.

Anke Schwede, Holger Reile
Linke Liste Konstanz (LLK)