LLK im Gemeinderat: Holger Reile zum Ausscheiden von Anselm Venedey

Autor | 20. Februar 2020

Im Rahmen der letzten Gemeinderatssitzung vom 18. Februar stand u. a. die Verabschiedung von Anselm Venedey, Freie Wähler Konstanz, auf der Tagesordnung. Nach 14-jähriger Gemeinderatsarbeit legte er aus überwiegend privaten Gründen sein Mandat nieder.

„Lieber Anselm Venedey,

auch ich möchte Dir, auch im Namen meiner Fraktion, in gebotener Kürze überwiegend wohlwollend nachrufen. In Deiner solidarisch-kritischen Abschiedsrede steckt viel Wahres und wir tun sicher gut daran, dem ein oder anderen Rat auch zu folgen.

In den vergangenen zehn Jahren saß ich mit Dir im Technischen und Umweltausschuss, im Kultur- und Orchesterausschuss, in der Straßenbenennungskommission und im Kulturfonds. Kennengelernt habe ich da einen meist gut informierten Kollegen, völlig uneitel, an der Sache orientiert, der sich aber auch nicht scheute, des Öfteren gegen den Strich zu bürsten – und zwar da, wo es auch angebracht war. Und, auch das fand ich meist bemerkenswert: Der sich ebenso wenig scheute, Fehler zuzugeben.

Dein Abstimmungsverhalten, lieber Anselm – Du hast es bereits angedeutet – war nicht immer im Sinne Deiner Fraktion, und manchmal – die Bemerkung sei mir erlaubt – habe ich mich insgeheim gefragt: Was macht der Kerle eigentlich bei den Freien Wählern? Bei uns wäre er doch zumindest teilweise viel besser aufgehoben. Vorschlag: Sollte uns wider Erwarten ein nächstes Leben beschert sein, dann reden wir nochmal in Ruhe drüber.

Nicht nur meiner Meinung nach verliert dieses Gremium ein wichtiges Mitglied. Da geht der Falsche. Denn mit Deinem Ausscheiden, lieber Anselm, wird uns zukünftig ein durchweg verlässlicher Partner beim Widerstand gegen den braunen Ungeist fehlen, der auch unsere angeblich beschauliche Gemarkung längst erreicht hat – auch wenn es einige hier immer noch nicht glauben wollen. Ein schleichendes Gift, bestehend aus Ignoranz und gefährlich-relativierender Geschichtsvergessenheit macht sich in bürgerlichen Kreisen breit, frei nach dem aktuellen Motto: „Das wird man ja wohl noch denken oder singen dürfen“. Wir, Kolleginnen und Kollegen, müssen aufpassen – mehr denn je.

Lieber Anselm Venedey, ein Letztes noch: Trotz Deines kommunalpolitischen Rückzugs gehe ich davon aus, dass Du auch in Zukunft ein waches Auge auf diese, Deine Stadt werfen wirst – und das ist auch gut so.

In diesem Sinne wünsche ich Dir ein glückliches Händchen bei allem, was Du tust.

Vielen Dank.“

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